Serbien kooperiert mit Den Haag: Belgrad friert Bankkonten von 13 Angeklagten ein
- Mladic-Konten darunter, nicht aber jene von Karadzic
- Mazedonischer Ex-Minister beim UNO-Tribunal inhaftiert
Die serbische Justiz hat das Einfrieren sämtlicher Konten von flüchtigen mutmaßlichen Kriegsverbrechern angeordnet. Ein Richter am Belgrader Kriegsverbrechergericht erteilte die Anweisung, dass Banken und andere Finanzinstitute die Konten der 13 Verdächtigen "vorübergehend" einfrieren sollen, die sich nach Einschätzung des UN-Kriegsverbrechertribunals in Serbien aufhalten, teilte das Gericht in der serbischen Hauptstadt mit. Beim UN-Tribunal in Den Haag traf unterdessen der wegen Kriegsverbrechen angeklagte frühere mazedonische Innenminister Ljube Boskovski ein, der wegen anderer Straftaten seit vergangenem Sommer in einem kroatischen Gefängnis eingesessen hatte.
Das serbische Kriegsverbrechergericht folgte mit seinem Beschluss einer Empfehlung des zuständigen Staatsanwaltes vom Vortag. Die Europäische Union hatte im vergangenen Jahr beschlossen, die Konten sämtlicher mutmaßlicher Kriegsverbrecher der Balkan-Konflikte in den 90er Jahren einzufrieren. Belgrad war in den vergangenen Wochen und Monaten verstärkt unter Druck geraten, mutmaßliche Kriegsverbrecher an das UN-Tribunal auszuliefern und seine Bereitschaft zu zeigen, mit dem Gericht der Vereinten Nationen zusammenzuarbeiten.
Seit November haben sich zehn Verdächtige gestellt; zwei weitere gesuchte Ex-Generäle sollen sich aber immer noch in Serbien aufhalten. Auch die beiden meistgesuchten mutmaßlichen Kriegsverbrecher, die ehemaligen bosnischen Serbenführer Radovan Karadzic und Ratko Mladic, sind auf der Flucht.
Ex-Innenminister in Haft genommen
Der frühere mazedonische Innenminister Boskovski wurde im Gefängnis des UN-Tribunals in Haft genommen, nachdem er dort von der kroatischen Hauptstadt Zagreb aus angekommen war. Er wird vermutlich in den kommenden Tagen angehört werden. Das UN-Tribunal wirft ihm und seinem ehemaligem Leibwächter Johan Tarculovski Kriegsverbrechen während eines Einsatzes im Jahr 2001 im Nordwesten Mazedoniens vor. Dort hatten einander albanische Rebellen und mazedonische Regierungstruppen sieben Monate lang bekämpft.
Boskovski und Tarculovski, der sich dem UN-Gericht in der vergangenen Woche gestellt hatte, sind die einzigen Mazedonier, die vor dem Haager Tribunal angeklagt sind. Das Gericht hatte in der vergangenen Woche die letzte Anklageschrift gegen sie veröffentlicht. Boskovski war im vergangenen August aufgrund eines mazedonischen Haftbefehls wegen einer anderen Straftat festgenommen worden und saß seitdem im Gefängnis. Die Justiz seines Landes wirft dem früheren Minister den Mord an sechs Pakistanis und einem Inder im Jahr 2002 vor: Mazedonische Einsatzkräfte hatten die sieben Einwanderer getötet, als Boskovski Innenminister war.
Anhänger des wegen Kriegsverbrechens angeklagten serbischen Generals Nebojsa Pavkovic haben unterdessen mit massivem Widerstand gegen eine mögliche Festnahme des früheren Armeechefs gedroht. Sie würden ein menschliches Schutzschild bilden, um zu verhindern, dass die Regierung ihn festnehme und an das Kriegsverbrechertribunal ausliefere, sagte einer seiner Anhänger in der am Donnerstag erschienen Ausgabe der Tageszeitung "Gradjanski List". Der ehemalige General hat bisher alle Appelle, sich freiwillig dem UN-Gericht zu stellen abgelehnt. Ihm werden Verbrechen gegen albanische Zivilisten während des Kosovokriegs 1998 und 1999 vorgeworfen. (apa/red)
