Fast 100 Tote bei blutigen Kämpfen im Irak: 17-Stunden Gefecht in Saddams Heimat
- Anti-Irakische-Kräfte aufgemischst; viele konnten fliehen
- Schiiten & Sunniten: Einigkeit über Ämter-Aufteilung
Bei einem Gefecht westlich von Tikrit haben irakische und US-Soldaten 80 Aufständische getötet. Wie die irakische Regierung am Mittwoch mitteilte, kam es am Dienstag zu den Kämpfen, als die Truppen ein Ausbildungslager von Aufständischen am See Tharthar kontrollieren wollten. Auch sieben irakische Soldaten seien getötet sowie vier weitere verletzt worden. Die US-Streitkräfte erklärten lediglich, es seien 20 Rebellen gefangen genommen und mehrere weitere getötet worden. Schon am Sonntag hatten US-Truppen 26 Aufständische erschossen.
Am Mittwoch traf eine Granate oder Rakete eine Schule im Westen von Bagdad. Dabei kam ein Kind ums Leben, drei weitere Kinder wurden verletzt, wie aus Polizeikreisen verlautete. Beim Versuch, eine am Straßenrand deponierte Bombe zu entschärfen, kam in Bagdad ein Polizist ums Leben. Ein weiterer Beamter sei verletzt worden, erklärte ein Polizeisprecher.
Amt des Verteidigungsminister soll an Sunniten vergeben werden
Im Rahmen der Regierungsbildung wird nach Angaben eines ranghohen Mitglieds der von Schiiten dominierten Vereinten Irakischen Allianz erwogen, das Amt des Verteidigungsministers an einen Sunniten zu geben. Die Sunniten sollten eines der vier wichtigsten Ämter besetzen, damit sie sich als Teil des politischen Prozesses sähen, erklärte Abbas Hassan Musa al-Bayati. Wer das Amt des Präsidenten übernehme, werde voraussichtlich am Samstag bekannt gegeben. Es wird erwartet, dass der kurdische Politiker Jalal Talabani den Posten erhält.
Schiiten werden mindestens 16 der 30 Ressorts besetzen
Der designierte Ministerpräsident Ibrahim al-Jaafari sagte im TV-Sender Al-Irakiya, man sei sich über die Besetzung aller Ministerposten einig. Jawad al-Maliki von der Schiiten-Allianz der irakischen Zeitung "Al-Sabah" ("Der Morgen") sagte, wird sie mindestens 16 der insgesamt fast 30 Ressorts besetzen. Die Schiiten-Allianz hatte bei den Parlamentswahlen Ende Jänner eine knappe absolute Mehrheit erreicht.
Die Schiiten werden laut al-Maliki künftig unter anderem für die Ressorts Inneres, Finanzen, Justiz und Bildung zuständig sein. Die Kurden sollen als zweitstärkste Fraktion dem Vernehmen nach rund sieben Ministerposten bekommen. Der Rest geht an sunnitische Araber und Vertreter ethnischer und religiöser Minderheiten. Es wird erwartet, dass der Kurde Hoshyar Zebari Außenminister bleibt.
Fuad Massum, ein Mitglied der kurdischen Verhandlungsgruppe, sagte dagegen, noch seien keine endgültigen Entscheidungen über die Verteilung der 32 Kabinettsposten getroffen worden. Die Vergabe des Verteidigungsministeriums an einen Sunniten sei eine der erörterten Optionen. Die sunnitische Minderheit hat die Parlamentswahl vom 30. Jänner weitgehend boykottiert.
(apa/red)
