Mittwoch, 20. April 2005

Nach Haus-Explosion in Gablitz bei Wien: Besitzer als Auftraggeber festgenommen

  • Kriminalabteilung NÖ: "Typische Eigenbrandstiftung"
  • 64-jähriger Iraner wollte sich in die Türkei absetzen

Überraschende Wendung im Fall des Brandanschlages auf ein Wohnhaus in Gablitz am 27. März: Die Kriminalabteilung Niederösterreich (KA-NÖ) hat den 64-jährigen Hausbesitzer festgenommen. Er steht unter Verdacht, die Tat in Auftrag gegeben zu haben. Der gebürtige Iraner, der bereits eine mehrjährige Haftstrafe wegen eines Drogendelikts abgesessen hatte, war im Besitz eines gefälschen griechischen Reisepasses und wollte sich laut KA-NÖ in die Türkei absetzen.

"Das Gesamtbild vom Tatort deutet auf typische Eigenbrandstiftung hin", berichtete Chefinspektor Rudolf Scheidl am Mittwoch der APA. Der Einsatz von Benzin und Gas sei auf "totale Vernichtung" des Gebäudes ausgerichtet gewesen. "In solchen Fällen sind zu 99 Prozent die Besitzer beteiligt."

"Typische Eigenbrandstiftung"
Das Haus sei mit 400.000 Euro belastet und das Einkommen des 64-Jährigen laut Scheidl "gleich null" gewesen. Bereits vor zwei Jahren soll der Teppichhändler versucht haben, sein Anwesen um rund 470.000 Euro zu verkaufen, was aber am zu hohen Preis scheiterte. "Schon damals hat er jemanden gesucht, der das Haus niederbrennt. Demjenigen dürfte die Sache dann aber doch zu heikel geworden sein", ergänzte der leitende Ermittler.

Was den Iraner zusätzlich belastet: Am Tag vor der Explosion hatte er einen "sehr teuren" Teppich abtransportieren und durch einen billigeren ersetzen lassen. Außerdem ist der Mann im Besitz eines gefälschten griechischen Reisepasses. Scheidl: "Er wollte sich in die Türkei absetzen." Die Festnahme des 64-jährigen Verdächtigen erfolgte auf Grund von Flucht- und Verdunkelungsgefahr.

Laut Scheidl gibt es auch bereits Anhaltspunkte für den - bis dato noch nicht gefassten - Brandstifter. Diese Person war vom Hausbesitzer verdächtigt worden, das Feuer aus Rache gelegt zu haben. Wie schon nach dem Brandanschlag klagte der Iraner auch bei seiner Verhaftung über Kreislauf- und Herzprobleme. "Der Arzt hat aber nichts feststellen können", so der Chefinspektor.

Zum Zeitpunkt der Detonation in der Nacht auf Ostersonntag stand das Haus in Gablitz leer. Die Untersuchungen zur Ursache ergaben sehr rasch, dass es sich eindeutig um Brandstiftung gehandelt hatte: An mehreren Stellen war Benzin verschüttet worden, ein Gashahn an einer aufgeschraubten Schraubverbindung stand in der Stellung "auf", zwei Kellerfenster waren geöffnet. Zeugenaussagen zufolge war vor der Explosion jemand beim Verlassen des Hauses beobachtet worden.

Der 64-jährige Iraner, der seit 1982 in Österreich lebt, stand gemeinsam mit seinem Bruder 1998 wegen Suchtgifthandels vor Gericht. Bereits in den achtziger Jahren waren die beiden Männer, die in Wien offiziell einen Teppichhandel betrieben, zu jahrelangen Freiheitsstrafen verurteilt worden, weil sie 60 Kilogramm Heroin in Verkehr gesetzt hatten.
(apa/red)

20.4.2005 12:05