Kaffeehaus-Legende Josefine Hawelka ist tot: 91-jährig an Herzversagen verstorben
- Tochter: "Am Samstag war sie noch im Geschäft"
- Stadt Wien bietet ehrenhalber gewidmetes Grab an
Kaffeehause-Legende Josefine Hawelka ist tot: Die "Mutter" des traditionsreichen Lokals in der Wiener-City ist am Dienstag im 92. Lebensjahr einem Herzversagen erlegen, sagte die Tochter gegenüber der APA. "Am Samstag war sie noch im Geschäft", erzählte die Angehörige. Die Stadt Wien bietet der Familie der verstorbenen Kaffeehaus-Legende ein ehrenhalber gewidmetes Grab an.
Ein Termin für das Begräbnis stand am Mittwoch noch nicht fest, es wird aber im privatem Rahmen stattfinden. Die zahlreichen ehemaligen Gäste des Kaffeehaus werden aber wahrscheinlich bei einer öffentlichen Seelenmesse die Möglichkeit haben, sich von Josefine Hawelka zu verabschieden.
Geboren in Oberösterreich
Josefine Hawelka wurde am 12. Oktober 1913 in Kirchdorf an der Krems (Oberösterreich) als Tochter eines Fleischhauers geboren. Mit zwei Geschwistern wuchs sie am Land auf und begann schon als junges Mädchen bei ihrer Tante im Gasthaus zu arbeiten. Mit 16 Jahren zog sie dann nach Wien. Sie arbeitete zuerst in einem eleganten Restaurant, wo sie auch eine kleine Unterkunft benutzen durfte, heißt es auf der Website des Kaffeehauses.
In dem Restaurant traf sie auch zum ersten Mal ihren zukünftigen Mann Leopold. Im Jahre 1936, am Tag nach ihrer Hochzeit, eröffnete das ehrgeizige junge Ehepaar das "Cafe Alt Wien" in der Bäckerstraße. "Unsere Flitterwochen homa im Kaffehaus verbracht, und g'wohnt hama auch drin, weil a Geld homa jo kanns g'hopt", so ein ihr auf der Website zugeschriebenes Zitat.
Drei Jahre danach mussten die Hawelkas wegen einer Pachterhöhung nach einem anderen Lokal suchen, fanden eines und gründeten das "Cafe Hawelka" in der Dorotheergasse. In dieser Zeit begann Josefine Hawelka die bekannten Germteig-Buchteln zu backen, die bis zuletzt von ihr persönlich gestammt haben sollen.
Josefine Hawelka hinterlässt zwei Kinder. Tochter Herta wurde 1939 geboren, Sohn Günter 1940. Dessen ältester Sohn Amir steht seit dem Vorjahr als Nachfolger des Gründerehepaars fest.
Wien bietet ehrenhalber gewidmetes Grab an
Die Stadt Wien bietet der Familie der verstorbenen Kaffeehaus-Legende ein ehrenhalber gewidmetes Grab an. Das teilte Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny in einer Aussendung mit. Er zeigte sich tief betroffen vom Tod der Hawelka-Chefin. "Mein tiefes Mitgefühl gilt ihrem Mann Leopold und den Angehörigen", so Mailath-Pokorny.
"Mit Josefine Hawelka geht ein Stück Wiener Kulturgeschichte verloren. Vieles im Wiener Kulturleben wäre ohne ihre Gastfreundschaft und das anregende Klima des Cafe Hawelka nicht möglich gewesen. Das Hawelka war und ist das Zentrum vieler Intellektueller und Kunstschaffender", würdigte Mailath-Pokorny die Kaffeehaus-Wirtin. (apa/red)
