Mittwoch, 16. März 2005

Telekom Austria steigert '04 Nettogewinn kräftig: Jetzt gibt es auch mehr Dividende

  • Expansionspläne in Südosteuropa wurden bekräftigt
  • Heuer müssen aber weitere 100 Mitarbeiter gehen

Die börsenotierte Telekom Austria (TA) hat für 2004 die beste Bilanz seit dem Börsegang im Jahr 2000 vorgelegt und damit die Analystenerwartungen übertroffen. Nach einem kräftigen Gewinnplus wird die Dividende für die Aktionäre von 13 auf 24 Cent erhöht. Für heuer wird ein weiterer Anstieg des Nettogewinns um 25 Prozent in Folge einer niedrigeren Steuerbelastung durch die Steuerreform und eine Erhöhung des Ausschüttungsgrades der Dividende von 52 auf 65 Prozent angekündigt. Der Ex-Monopolist, der sich selbst künftig als interessanter Übernahmekandidat im Markt sieht, hat am Mittwoch bei der Bilanzpressekonferenz außerdem seine Expansionspläne in Südosteuropa bekräftigt.

Die TA steht kurz vor der Übernahme der bulgarischen Mobiltel, die spätestens im vierten Quartal für 1,6 Mrd. Euro gekauft werden soll, und damit vor einem der größten Auslandsinvestments in der Geschichte eines österreichischen Unternehmens. In Bosnien strebt die TA die Übernahme des Mobilfunkbetreibers Eronet an, in Serbien ist man an der zur Privatisierung anstehenden Mobtel interessiert. Die TA-Kundenbasis könnte im Zuge einer erfolgreichen Südostexpansion auf 30 Millionen Kunden erweitert werden, sagte TA-Generaldirektor Heinz Sundt.

Sundt sieht die TA selbst allerdings auch als zunehmend interessanten Übernahmekandidaten im Markt, vor allem dann, wenn die TA nach dem geplanten Vollausstieg der Staatsholding ÖIAG, die derzeit noch 25,2 Prozent (exklusive 5-prozentiger Wandelanleihe) an der TA hält, keinen Kernaktionär mehr habe. Über das offenbar nach wie vor vorhandene Interesse der Swisscom, deren Übernahmeversuch im Vorjahr gescheitert war, zeigte sich Sundt heute erfreut, wiewohl derzeit keine Verhandlungen mit dem Schweizern geführt würden. Generell wünscht sich Sundt für die TA künftig eine "stabile Aktionärsstruktur".

Gewinn um 70 Prozent gesteigert
Den Nettogewinn steigerte die TA im Vorjahr um beachtliche 70 Prozent auf 227,3 Mio. Euro, wobei einmalige Steueraufwendungen mit 22 Mio. Euro noch auf das Ergebnis drückten. Das Betriebsergebnis (EBIT) erhöhte sich auf Grund höherer Umsatzerlöse im Festnetz und Mobilfunk sowie niedrigerer Aufwendungen im Festnetz- und Internetbereich um 22,4 Prozent auf 452,7 Mio. Euro, das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) wuchs bereinigt um 3,9 Prozent auf 1,569 Mrd. Euro. Der Umsatz der Gruppe stieg bereinigt leicht um 3,4 Prozent auf 4,056 Mrd. Euro. Die Nettoverschuldung sank um 25,2 Prozent auf 1,974 Mrd. Euro.

Die TA hat im Festnetz- und Internetbereich 2004 vor allem dank Breitband-Internet erstmals einen leichten Umsatzzuwachs erzielt und schwarze Zahlen geschrieben. Der Festnetzumsatz erhöhte sich geringfügig bereinigt um 0,9 Prozent auf 2,185 Mrd. Euro, das EBIT drehte von minus 34,3 auf plus 55,8 Mio. Euro ins Plus. Der Mobilfunk-Umsatz stieg bereinigt um 5,8 Prozent auf 2,126 Mrd. Euro, das EBIT um 1,5 Prozent auf 407,4 Mio. Euro. Für 2005 erwartet die TA eine "zumindest flache" Entwicklung bei Umsatz und EBITDA, wobei das erwartete Umsatz- und Ergebnisplus im Mobilfunkbereich zum Gutteil aus dem Ausland kommen soll.

Weitere 100 Mitarbeiter müssen gehen
Nachdem die TA 2004 mit einem Abbau von 583 Mitarbeitern auf 13.307 Beschäftigte per Ende 2004 die Pläne übererfüllt hat, müssten heuer "nur" mehr 100 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen, berichtete Sundt. Die TA hat in den vergangenen Jahren mehr als 5.000 Mitarbeiter vor allem im Festnetzbereich abgebaut.

Der TA-Vorstand arbeitet derzeit an einer neuen Struktur des Unternehmens, einen dementsprechenden Auftrag hat das Management von der ÖIAG bekommen. Allerdings gebe es keinen "hysterischen Druck" für eine schnelle Entscheidung, die neue Struktur soll auch - entgegen entsprechender Medienberichte - nicht in der kommenden Hauptversammlung am 25. Mai beschlossen werden, betonte Sundt.
(apa)

16.3.2005 13:41