Dienstag, 15. März 2005

Auf dem Handy kostet jeder Virus Geld: Schadprogramme verbreiten sich langsam

  • Billing-Funktion erweist sich als potenzielles Problem
  • Den Schaden bemerkt man erst auf der Abrechnung

Sie verbreiten sich bisher nur langsam. Aber die im Computeralltag bekannten Viren oder Würmer befallen immer häufiger auch Mobilfunkgeräte wie Smartphones. So ist schon seit Jänner ein Wurm in Umlauf, der sich über MMS und Bluetooth verbreitet. Aber auch das geschehe "überraschend langsam", sagt Mikko Hyppönen, Forschungsleiter der finnischen Sicherheitsfirma F-Secure. Das Risiko einer Infektion sei trotzdem von der Hand zu weisen.

Auch wenn man die Lage also nicht dramatisieren muss, sind Sicherheitsfirmen wie F-Secure dennoch wachsam und bieten schon jetzt Schutzprogramme an, die die teuren Mobilgeräte vor den Schädlingen schützen sollen. Denn in einer Hinsicht sind die so genannten Handy-Viren noch gefährlicher als die auf dem Computer. Der Grund liege in der "Billing-Funktion", die jedes Handy zur Abrechnung der Verbindungsgebühren besitze, sagt Hyppönen.

Schaden bemerkt man erst spät
Mit dem Vertrag bei einem Mobilfunkanbieter habe man diesem auch die Erlaubnis erteilt, Geld einzuziehen. Jedes Mobilfunkgerät sei eine Zahlstelle, sagt Hyppönen. Wenn sich ein PC-Wurm an einige hundert Adresse weiter versende, dann sei das zwar schlimm, habe aber keine unmittelbaren Folgen. Auf einem Handy koste aber jede Transaktion und jede von einem Virus versendete SMS oder MMS richtig Geld. Und den Schaden bemerkt man erst mit der nächsten Rechnung.

Handy-Viren sind schwerfällig
Ein Grund, warum sich die so genannten Handy-Viren bisher eher langsam verbreitet, ist die Vielzahl von Betriebssystemen im Mobilfunkbereich. Betroffen sind bisher vor allem Geräte mit den Betriebssystemen Symbian Series60 und Series80 sowie mit Windows Mobile. Bei den Handy-Viren ist es wie bei den PC-Schädlingen: Sie sind für ein bestimmtes Betriebssystem entwickelt. Ein anderer Grund für die langsame Verbreitung ist, dass die bisher bekannten Viren erst aktiviert werden müssen, wie Hyppönen sagt. Man muss den Empfang der infizierten Nachricht bestätigen*, erst mit einem Tastendruck wird der Virus aktiviert.

Technisches Neuland
Der in diesem Jahr neu aufgetauchte MMS-Virus, der sich an alle Nummern im Telefonbuch versendet, betritt technisch Neuland. Aber die Zahl der verschickten MMS-Mitteilungen liegt noch weit unter der des SMS-Versands. Zudem finden sich in Handy-Telefonbüchern auch viele Festnetznummern oder Nummer von Handys, die mit einer MMS gar nichts anfangen können. Die Sicherheitsfirmen beobachten die Entwicklung aber sehr genau, vor allem bei den Bluetooth-Viren. Diese könnten sich nach Einschätzung Hyppönens sehr viel schneller verbreiten, da die Funktechnik auch von vielen Notebooks verwendet werde. (apa)

15.3.2005 10:18