Vorsicht bei TV-Gewinnspielen! Klagen über hohe Telefonkosten häufen sich
- RTR warnt: Spielgestaltung & Entgelt oft "intransparent"
- Regulator fordert jetzt mehr Fairness und Transparenz
Vorsicht bei Fernsehprogrammen, die zum Mitspielen via Mehrwert-Telefonnummer auffordern: Dazu rät die Rundfunk- und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR), nachdem heuer deutlich mehr entsprechende Beschwerden bei der Schlichtungsstelle eingelangt seien. Spielgestaltung und Entgelt seien in vielen Fällen "sehr intransparent", kritisierte die RTR in einer Aussendung.
Der Mehrwert-Boom bei den TV-Sendern hält ungebrochen an. Auch der ORF hat einen nächtlichen "Quiz Express", bei dem ein Anruf 70 Cent kostet. Der ORF-Publikumsrat hat sich damit erst unlängst kritisch auseinander gesetzt. ORF-Chefin Monika Lindner hatte dabei daran erinnert, "dass wir uns nicht zu 100 Prozent aus Gebühren finanzieren" und zugleich die Werbemöglichkeiten beschränkt worden seien. Es sei "durchaus üblich, dass sich Sender am Wege über Telefonkosten und -spiele zusätzliche Einnahmen erwirtschaften".
Beschwerden nehmen zu
Den Trend zum so genannten Call-Media-Format spürt man auch bei der RTR: "Hatten wir im gesamten Jahr 2004 knapp 60 Beschwerden zu dieser Problematik, so verzeichnen wir in den ersten drei Monaten des heurigen Jahres bereits 47 Fälle, in denen hohe Telefonrechnungen in unserer Schlichtungsstelle beeinsprucht wurden, die aus der Teilnahme an Gewinnspielen im Fernsehen resultieren", so Georg Serentschy, Geschäftsführer des Fachbereichs Telekom.
Forderung nach mehr Transparenz
Die Streitwerte variieren demnach zwischen 30 Euro bis über 800 Euro. Das Problem: Bei solchen Gewinnspielen - wie auch beim "Quiz Express" - wird zumeist der Rufnummernbereich 0901 verwendet. Bis zu Anrufkosten von 70 Cent muss dabei keine Tarifansage erfolgen. Viele Konsumenten aber seien mit diesem System nicht vertraut. "Da die Zuseher sehr oft dazu verleitet werden, die Wahlwiederholtaste zu drücken, weisen die Telefonrechnungen dann oft 200 und mehr Verbindungen auf und sind entsprechend hoch", berichtet Serentschy. Viele Zuseher glaubten darüber hinaus, dass der Tarifzähler erst zu laufen beginnt, wenn sie mit dem Moderator sprechen. "Fair und transparent" sollten die Gewinnspiele daher ablaufen.
Verbot ist noch nicht vorgesehen
Für Alfred Grinschgl, Medien-Geschäftsführer der RTR, ist klar, dass der Call Media-Boom nicht vor Österreichs Grenzen Halt macht. 4,1 Milliarden Euro würden 2004 europaweit aus dem Bereich Wetten, Spiele und Lotterien im Fernsehen erwartet. Umso wichtiger ist seiner Ansicht nach die Frage: "Wie können Konsumenten vor Intransparenz, Irreführung und Abzockerei geschützt werden?" Der ORF solle sich zudem überlegen, ob er auf Formate wie den "Quiz Express" nicht verzichten könnte, "da derartige Formate beim Gebühren zahlenden Publikum wohl zu Irritationen führen". Ein Verbot solcher Sendungen sei indes den einschlägigen Gesetzen nicht zu entnehmen, das ORF-Gesetz verbiete lediglich Mehrwertnummern für Sendungen, die sich überwiegend an unmündige Minderjährige wenden. (apa)
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