Mittwoch, 16. März 2005

Die Deutschen kommen! 45.000 deutsche Gastarbeiter jobben bereits in Österreich

  • Seit 2000 hat sich ihre Zahl mehr als verdoppelt. Als Kellner, Köche, Abwäscher & in der High-Tech-Industrie

45.000 deutsche Gastarbeiter jobben bereits in Österreich – so viele wie nie zuvor. Seit 2000 hat sich ihre Zahl mehr als verdoppelt. Sie werken als Kellner, Köche, Abwäscher – und in der High-Tech-Industrie.

Was ist bloß geschehen? Jahrzehntelang war Deutschland der Fixpunkt, an dem sich Österreich orientierte, vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht. Inzwischen haben sich die Verhältnisse verkehrt: Die Wirtschaft in Deutschland stagniert, Hiobsbotschaften häufen sich, die Arbeitslosigkeit nimmt bereits bedrohliche Ausmaße an: 5,2 Millionen Deutsche sind derzeit ohne Job, es fehlen unkonventionelle Ideen, Kreativität, Offenheit und Mut. „Deutschland ist zum kranken Mann Europas geworden“, behauptet Hans Werner Sinn, einer der renommiertesten Ökonomen Deutschlands, „Österreich hat uns längst den Rang abgelaufen, da können wir nicht mehr mithalten.“

Ausland „light“. Österreich gilt zwischen Rhein und Oder längst als Hoffnungsland für Arbeitswillige, vor allem aus dem ehemaligen Ostdeutschland. Eine erstaunliche Tatsache, die mit Zahlen belegt werden kann: Waren im Jänner 2000 gerade 20.232 Deutsche in Österreich beschäftigt, so hat sich diese Zahl innerhalb der vergangenen fünf Jahre mehr als verdoppelt. Im Jänner 2005 waren es 44.946 Deutsche, das ist absoluter Rekord, eine derartige Nord-Süd-Migration gab’s noch nie.

„Ich habe 23.000 Euro für meine Ausbildung an einer Hotelfachschule hingelegt, mit Auszeichnung abgeschlossen und war nach 170 verschickten Bewerbungen noch immer ohne Job“, sagt Michael Liebl, 31, aus Garmisch in Bayern – immerhin einer der führenden High-Tech-Standorte Deutschlands. Liebl entschied sich deshalb für die Variante „Ausland light“, ging nach Österreich und blieb in Kitzbühel hängen. Heute leitet er das Restaurant im Hotel „Kitzhof“, für ihn ist Österreich längst das bessere Deutschland. „Die Lohnsteuer ist hier um ein Drittel niedriger, Hotels können wegen der kürzeren Kündigungsfristen risikoloser neue Leute einstellen, die Stimmung ist einfach besser. Meine Landsleute rennen mir die Türe ein. Mehr als 80 Prozent der Bewerber kommen aus Deutschland, vornehmlich aus dem Osten.“

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16.3.2005 20:21