Der neue Manner-Kult: Rosa Marke boomt jetzt sogar als Sportartikel und Spielzeug!
- 2004 war das beste Jahr der Unternehmens-Geschichte
- FORMAT: Erfolgreiche Expansion weltweit fortgesetzt
Der Schneider von Michael Baumgärtner, 42, ist begeistert, seine Frau weniger: Seit Baumgärtner im Juli 2004 als Marketingvorstand des Schnittenherstellers Manner angetreten ist, hat er monatlich ein Kilogramm zugenommen. Inzwischen bringt Baumgärtner acht Kilo mehr auf die Waage als in seinem früheren Job als Vorstand beim Ketchuperzeuger Felix. Und wenn Baumgärtner zu Besprechungen in die Firmenzentrale lädt, kostet er noch immer begeistert von den allgegenwärtigen Haselnusswaffeln.
Carl Manner, 76-jähriger Miteigentümer und Finanzchef des Traditionsbetriebes, hält die Naschlust Baumgärtners dennoch für eine Frage der Zeit: "Nach einigen Monaten legt sich das bei neuen Mitarbeitern." Carl Manner selbst zieht eine Torte vom Zuckerbäcker den Süßwaren, mit denen er beruflich zu tun hat, vor (siehe Interview).
Außerdem holt sich der Grandseigneur der Firma seine Energieschübe derzeit bei der Durchsicht der Umsatzzahlen für das Jahr 2004. Die sind besser als je zuvor in der 114-jährigen Unternehmensgeschichte: Bei der Hauptversammlung im Juni wird das Manner-Management den Aktionären - den Familien Manner, Riedl und Andres - ein achtprozentiges Umsatzwachstum mit den Konzernmarken Manner, Casali, Ildefonso, Napoli, Schmid und Heller präsentieren. Rund 136 Millionen Euro an Einnahmen stehen unterm Strich.
Manner ist angesagt
Der Aufschwung ist Folge eines regelrechten Manner-Kultes, der spätestens seit dem Manner-Product-Placement in Arnold Schwarzeneggers "Terminator III" um die Wiener Marke ausgebrochen ist. Rosarot ist derzeit bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen dermaßen angesagt, dass die Manner-Werbeleute Merchandisingartikel nicht mehr gratis unters Volk bringen müssen, sondern gutes Geld damit verdienen: Skihelme, Rucksäcke, Spielwaren, Raddressen und sogar Strampelanzüge mit Manner-Logo sind Verkaufshits. Der neue Manner-Shop am Wiener Stephansplatz, über den das Gros dieser Ware abgesetzt wird, geht deshalb in Serie. Marketingvorstand Baumgärtner: "Das Unternehmen zeigt sich trotz flauer Konjunktur derzeit von seiner Schokoladenseite."
Am Kernmarkt Österreich hat die Firma um fünf Prozent mehr Manner-Schnitten verkauft als 2003. Neue Produkte wie eine Schokolade nach alter Rezeptur aus den Archiven des Familienbetriebs versüßen die Umsätze: Ursprünglich nur für den eigenen Laden gedacht, ist die rosa Tafel auch schon bei Merkur und Spar im Sortiment. Baumgärtner: "Zum ersten Mal haben Einkäufer der Lebensmittelketten bei uns angeklopft, und nicht wir bei ihnen."
Neue Mitarbeiter und Merchandising-Boom
Dazu kommen das florierende Geschäft mit der Herstellung von Handelsmarken etwa für den deutschen Diskonter Lidl und die Ostexpansion in den Ländern der ehemaligen k. u. k. Monarchie. In Slowenien schafft Manner schon den gleichen Marktanteil wie in Österreich. Der Exportanteil der Firma mit Sitz in Wien-Hernals lag 2004 bei fünfzig Prozent. Konsequenz: Während in fast allen anderen Lebensmittelkonzernen der Rotstift regiert, hat Manner zur Bewältigung des Wachstums 116 neue Mitarbeiter eingestellt. Vierzig weitere werden gesucht.
Als gelungener Umsatz- und Imagecoup erweist sich der Flagshipstore im Schatten des Stephansdomes: Mitte Juni vergangenen Jahres eröffnet, nahm das kleine Geschäft bisher geschätzte 1,5 Millionen Euro ein. 6.000 Kugelschreiber gingen dort weg, mehr als in den besten Papierhandlungen der Stadt. Die dort vertriebenen Manner-Spielzeuglaster werden bei eBay deutlich über dem Ladenpreis gehandelt. Der Waffelproduzent lässt auch schon rosarote Webpelzkappen, Badeschlapfen und einen Manner-Stephansdom aus Papierbastelbögen für den neuen Vertriebskanal fertigen. Das Manner-Kochbuch mit Gerichten wie dem "Mannertone" - einer Art Panettone, gebacken im Blumentopf - ist ein Renner.
Nun zieht Manner die logischen Konsequenzen daraus: Die Manner-Läden werden internationalisiert. In Österreich sollen Geschäfte am Wiener Flughafen und in Salzburg aufsperren. Außerdem sind Prag, Bratislava und Budapest im Visier.
"Wir wissen, woher wir kommen"
Bleibt die Sorge, der Höhenflug könnte sich zum ungesunden Hype auswachsen, der am Ende mehr schadet als nützt. Carl Manner glaubt das nicht: "Wir wissen, woher wir kommen, und, auf eine bescheidene Art, wohin wir wollen."
Bescheiden bleiben die Manner-Bosse schon durch die Gewinne, die trotz Umsatzwachstums auf dem Vorjahrsniveau von rund 2,6 Millionen Euro stagnieren. Pech für Manner: Nach Missernten war der Weltmarktpreis für Haselnüsse stark gestiegen und hatte das Ergebnis mit zusätzlichen 4,5 Millionen Euro belastet.
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