Las Vegas im Prater: Glücksspiel-Riese er- öffnet in Wien größtes Wett-Casino Europas
- NEWS: Novomatic-Eigentümer Graf über sein Imperium
- Heimkehr: Langjähriges Engagement in Ost-Europa
Besucher des altehrwürdigen Wiener Wurstelpraters kommen seit Tagen aus dem Staunen nicht heraus. Das ehemalige Weißwurst-Paradies "Oberbayern", architektonisch mehr an der Ex-DDR orientiert, präsentiert sich seit kurzem in Las-Vegas-Glanz. An einer der ersten Adressen auf Wiens Vergnügungsmeile eröffnete am Freitag das Gumpoldskirchner Glücksspielunternehmen Novomatic das größte Wett-Casino Europas. An 250 Spielautomaten, vom Video-Slot über Pokerautomaten bis zu Bingo-Maschinen, können Spielbegeisterte zwischen Marmorpalmen und vergoldeten Spiegelwänden ihr Glück versuchen. Und im ersten Stock lockt das größte Wettcafé Österreichs - betrieben von der Novomatic-Tochter Admiral - Sportbegeisterte an.
Mit dieser klaren Kampfansage gegen den Monopolisten Casinos Austria tritt auch einer der geheimnisvollsten Konzerne Österreichs ans Licht der Öffentlichkeit. Die im Weinort Gumpoldskirchen ansässige Novomatic erreichte - von der breiten Bevölkerung weitgehend unbemerkt - mit Spielcasinos, Sportwetten und dem Spielautomatenbau 2004 weltweit satte 500 Millionen Euro Umsatz und beschäftigte 4.500 Mitarbeiter. Der Wert des Unternehmens wird von Experten auf 1,1 Milliarden Euro geschätzt - und das ist noch ein sehr konservativer Ansatz.
Jährlich werden in Werken in Gumpoldskirchen, Komorany, Tschechien oder Bingen, Deutschland, 40.000 High-Tech-Spielautomaten erzeugt, die weltweit in 40 Länder exportiert werden. Über 30 Casinos und Spiel-Arkaden mit rund 15.000 Automaten betreibt der Glücksspielriese zwischen der Schweiz, Deutschland Tschechien, Estland und Polen selbst, beim Automatenbau ist der Austro-Konzern inzwischen unter den sechs größten herstellern der Welt.
Der geheimnisvolle Chef
Noch unbekannter als der Konzern selbst ist sein Chef. Mehrheitseigentümer Johann F. Graf ist kein Freund öffentlicher Auftritte. Seinen Konzern lenkt er gerne aus dem Hintergrund, und Interviews gibt er so gut wie nie. Für NEWS machte er jetzt eine Ausnahme. Der Karriereweg Grafs steht aber jenen klassischer US-Selfmademillionäre um nichts nach. 1980 begann er in einer kleinen Firma am Mexikoplatz mit der Entwicklung von elektronischen Spielautomaten. Graf: "Ich war fasziniert von der Idee, mit den damaligen Möglichkeiten der Elektromechanik eine neue Ära in der seit ihrer Erfindung 1896 nur geringfügig weiterentwickelten Slotmaschinen-Technologie mitzugestalten." Aus den ersten Bastelanfängen entwickelte Graf - unterstützt auch von Informatikern der Universität Krakau - den weltweiten Technologieführer bei Spielautomaten. Novomatic hält heute 350 Patente, ihre Geräte gelten als "Maybach" unter den Casino-Automaten.
Österreichisches Unternehmen als Ost-Pionier
Hintergrund des Erfolges ist das langjährige Engagement Grafs in Osteuropa. Seit 1990 arbeitet Novomatic den Osten systematisch auf. Heute sind die Gumpoldskirchner in Estland, Tschechien, Ungarn und Polen zu den Marktführer im Casinogeschäft. Für Graf war der Schritt über die Grenze eine wirtschaftliche Überlebensfrage: "Die gesetzlichen Rahmenbedingungen in Österreich haben eine rasche internationale Orientierung des Unternehmens notwendig gemacht." Zu den Casinos in der Schweiz kommen noch Spielstätten in Osteuropa und Südafrika. In Deutschland ist Graf unter anderem an der lukrativen Spielbank Berlin / Potsdamer Platz beteiligt.
Und das Casino im Prater - übrigens ermöglicht durch das Veranstaltungsgesetz in Wien - ist ein erster Schritt auf dem Weg zurück nach Österreich.
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