Mittwoch, 16. März 2005

Eine IMAS-Studie zeigt: Die Österreicher vermissen eine "Wirtschaft mit Wärme"

  • 70 Prozent verspüren einen Verlust der Menschlichkeit
  • Begründung: Zu großes Gewinnstreben der Firmen

Die Mehrheit der Österreicher vermisst eine "Wirtschaft mit Wärme". Fast 70 Prozent der Bevölkerung verspüren einen Verlust der Menschlichkeit durch zu großes Gewinnstreben. Das geht aus einer Umfrage des Linzer Meinungsforschungsinstituts IMAS hervor, deren Ergebnisse am Mittwoch veröffentlicht wurden.

IMAS führte im Februar telefonische Interviews mit 1.008 repräsentativ für die Bevölkerung ab 16 Jahren ausgewählten Personen durch. 68 Prozent halten die Behauptung, "in der Wirtschaft gibt es ein zu großes Gewinnstreben, bei dem die Menschlichkeit unter die Räder kommt" für gerechtfertigt. Fast jeder Fünfte (18 Prozent) vertritt die gegenteilige Auffassung. Elf Prozent der Befragten antworteten mit "teils, teils", der Rest war "unentschieden".

Laut IMAS sei die Kritik am "ausschließlichen Nützlichkeitsdenken" bei den Maturanten und Akademikern am größten, bei Erwachsenen mit einfacher Bildung vergleichsweise am geringsten. Innerhalb der Parteianhängerschaften seien es in erster Linie die Grünen und Sozialdemokraten, die überzogenes Gewinnstreben an den Pranger stellen. Am schwächsten ausgeprägt sei die Kritik bei den ÖVP-Wählern, "wenngleich auch sie mit den beschriebenen Erscheinungsformen des Wirtschaftslebens in absoluter Mehrheit unzufrieden sind", erklärte das Institut.

Die Vermutung liege nahe, dass die Schwierigkeit einer Harmonisierung der Arbeitswelt unter den veränderten Rahmenbedingungen für die Wirtschaft unterschätzt werde, so IMAS. Fest stehe, dass die Österreicher in der massiven Mehrheit von 61 Prozent ein starkes Gewinnstreben mit sozialem Verhalten für grundsätzlich vereinbar erachten. 29 Prozent bezweifeln das, zehn Prozent antworteten mit "unentschieden, weiß nicht". (apa)

16.3.2005 11:37