Neue EU-Studie macht Hoffnung: Wenig schlecht bezahlte Jobs in Österreich
- Relativ gute Aufstiegschancen für Geringverdiener
- Frauen-Anteil unter Geringverdienern doppelt so hoch
Die Chancen, in Österreich aus einem schlecht bezahlten in einen besser bezahlten Job aufzusteigen, zählen zu den besten innerhalb der 15 alten EU-Ländern. Österreich ist auch eines jener Länder, in denen der Anteil der Geringverdiener an den gesamten Erwerbsfähigen relativ niedrig und unter dem EU-Schnitt liegt. Hinsichtlich der Mobilität liegen die heimischen Arbeitskräfte im europäischen Mittelfeld.
Rund 15 Prozent der Erwerbstätigen in der EU-15 verdienten laut dem Bericht der EU-Kommission "Beschäftigung in Europa 2004" im Jahr 2000 schlecht. Ihre länderspezifischen Stundenlöhne lagen - bei einer Arbeitszeit von mehr als 15 Stunden die Woche - im unteren Einkommensdrittel.
Der Anteil der österreichischen Geringverdiener beträgt 11,2 Prozent. Die wenigsten Niedriglohnjobs gibt es demnach in Dänemark (8,6 Prozent), Italien (9,7 Prozent), Portugal (10,9 Prozent) und Finnland (10,8 Prozent), die meisten in Großbritannien (19,4 Prozent), Irland (18,7 Prozent) und den Niederlanden (16,6 Prozent). Daten für Schweden und Luxemburg waren nicht verfügbar.
Gute Aufstiegschancen für Geringverdiener
Die Wahrscheinlichkeit, aus einem Niedriglohnjob in einen besser bezahlten aufsteigen zu können, ist in Österreich und den anderen Ländern mit niedrigen Anteilen an Geringverdienern - Dänemark, Italien, Portugal und Finnland - am größten. 31,6 Prozent der heimischen Schlechtverdienenden wechseln bereits nach einem Jahr in einen besser bezahlten Job, nach sechs Jahren sind es beinahe 80 Prozent. Das ist gemeinsam mit Portugal der höchste erzielte Wert.
Auch die Wenigverdiener in den Niederlanden und Irland haben gute Chancen, sich zu verbessern, jene in Deutschland und Großbritannien haben es dagegen schwer, in einen besseren Job zu wechseln. Relativ hoch ist laut EU-Bericht in Österreich auch die Wahrscheinlichkeit, nach einem Jahr von einem temporären in ein dauerhaftes Beschäftigungsverhältnis zu wechseln. Das gilt für die Hälfte der heimischen Geringverdiener, im EU-Schnitt ist es knapp jeder Dritte.
Während es in der gesamten EU von 1995 bis 2000 keine größeren Veränderungen des Anteils von schlecht bezahlten Jobs gab, kam es in Spanien, Portugal und in geringerem Ausmaß auch in Österreich zu einem Rückgang des Anteils der Geringverdiener, in Österreich von 13,9 (1996) auf 11,2 Prozent. Auf der anderen Seite verzeichneten die Niederlande und Deutschland relativ deutliche Zunahmen der Niedriglohnjobs von 13,3 (1995) auf 16,6 Prozent bzw. von 13,9 (1998) auf 15,7 Prozent.
Hoher Frauen-Anteil unter Geringverdienern
Der Anteil der Frauen unter den Geringverdienern ist EU-weit doppelt so hoch wie jener der Männer. Besonders hoch ist der Unterschied in Großbritannien, den Niederlanden und in Österreich mit einer Differenz von 14,4, 12,7 und 12,3 Prozentpunkten. Besonders niedrig sind die Unterschiede in Italien, Finnland und Dänemark.
Schlechte Bezahlung hängt auch mit der Qualifikation zusammen. Die größten Unterschiede zwischen hoch und schlecht Qualifizierten gibt es in Dänemark, Irland und Griechenland, die geringsten in den Niederlanden, Finnland und Frankreich.
Schlechtest bezahlte Jobs für jüngere Arbeitnehmer
Besonders stark betroffen von schlecht bezahlten Jobs sind jüngere Arbeitnehmer. EU-weit fielen im Jahr 2000 knapp 40 Prozent der 16- bis 24-Jährigen in das untere Einkommensdrittel, wobei Lehrlinge bereits unberücksichtigt waren. 25- bis 34-Jährige und 55- bis 64-Jährigen fielen mit 15 Prozent in ähnlichem Ausmaß unter die Niedriglohnschwelle, bei den 35- bis 54-Jährigen waren es rund 10 Prozent.
Am meisten Geringverdiener gab es 2000 nach Sektoren betrachtet in der Landwirtschaft mit 37 Prozent, gefolgt vom Dienstleistungssektor mit 16 Prozent und der Industrie mit 11 Prozent. Innerhalb des Dienstleistungssektors gibt es große Unterschiede. 40 Prozent der im Hotel- und Gastgewerbe beschäftigten verdienen schlecht sowie 26 Prozent der im Handel tätigen, im Finanz- und Immobilienbereich sind es knapp 11 Prozent, in der Öffentlichen Verwaltung, Erziehungs- und Gesundheitsbereich 12,8 Prozent.
Ein Zusammenhang besteht auch zwischen temporären Arbeitsverhältnissen und schlecht bezahlten Jobs. In auf Zeit abgeschlossenen Arbeitsverhältnissen ist die Wahrscheinlichkeit wenig zu verdienen drei Mal so hoch wie in dauerhaften Arbeitsverhältnissen. Gleichzeitig geht aus der EU-Studie auch hervor, dass die temporären Arbeitsverhältnisse im Betrachtungszeitraum doppelt so schnell gewachsen sind wie die dauerhaften, der Anteil der Beschäftigten mit dauerhaften Arbeitsverhältnisse also rückläufig war. (apa/red)
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