Verpatzte WM und erfolgreicher Weltcup: Gemischte Gefühle bei unseren Ski-Damen
- Götschl und Dorfmeister holten kleine Kristallkugeln
Mit gemischten Gefühlen blicken Österreichs Ski-Damen auf die Saison zurück. Auf der einen Seite stehen 13 Weltcup-Siege und der Gewinn von zwei Kleinen Kristallkugeln durch die zwei "Grande Dames" Michaela Dorfmeister (Super G) und Renate Götschl (Abfahrt) zu Buche, auf der anderen Seite allerdings die völlig verpatzte WM in Santa Caterina mit nur zwei Bronzemedaillen. Und die Tatsache, dass man im Kampf um den Gesamt-Weltcup gegen die Top-Allrounderinnen Anja Pärson (SWE) und Janica Kostelic (CRO) chancenlos war.
"Wir haben momentan keine Läuferin, die in allen vier Disziplinen gewinnen kann", weiß Damen-Chef Herbert Mandl, wo weiterhin der Hebel angesetzt werden muss. Vor allem das klaffende Loch in der Abfahrt hinter Götschl und Dorfmeister macht dem 43-Jährigen Sorgen, deshalb wird es zu kleineren Strukturänderungen kommen. "Dieses Loch ist nur mit guten Technikerinnen zu schließen." Mandl will daher mit seinem Stab das Speed-Training im Lager der Technikerinnen weiter verstärken und so Marlies Schild, Elisabeth Görgl, Nicole Hosp und Co. wieder einen Schritt in Richtung Top-Platzierungen in Abfahrt und Super G führen.
Was eindeutig der Schlüssel zum Gesamt-Weltcup sein dürfte, wie man heuer bei Pärson und Kostelic deutlich gesehen hat. Die einstigen Technik-Spezialistinnen haben während der laufenden Weltcup-Saison 568 (Pärson) bzw. 644 Punkte (Kostelic) in den Speed-Bewerben gesammelt und noch dazu bei der WM Gold in Abfahrt (Kostelic) und Super G (Pärson) abgeräumt.
Toller Weltcup, miese WM-Leistungen
Die Gründung einer Allrounder-Trainingsgruppe à la "WC4" im Herren-Bereich wird es nicht geben. "Denn das haben wir ja schon mit unseren Technikerinnen. Die trainieren bereits als Allroundergruppe." Mandl weiß, dass auf die ÖSV-Damen viel Arbeit wartet, um den Gesamt-Weltcup wieder nach Österreich zu holen. "Da darf man aber nicht nur auf den kurzfristigen Erfolg schauen, sondern muss Geduld haben und längerfristig planen. Das dauert, bis diese Qualität erreicht ist."
Unterm Strich sieht Mandls Resümee so aus: "Die Weltcup-Bilanz ist zufrieden stellend, die WM ist leider nicht wie erhofft abgelaufen." Die emotionalen Highlights des Winters waren für den ÖSV-Coach der Riesentorlauf-Sieg von Marlies Schild auf dem Semmering bzw. die allgemeine Steigerung der Salzburgerin in dieser Disziplin, das triumphale Speed-Wochenende von Renate Götschl in Cortina mit zwei Super-G- und einem Abfahrts-Erfolg, die WM-Leistungen der erst 18-jährigen Kathrin Zettel (Silber im Teambewerb, 6. Kombination, 4. Slalom) sowie das tolle Super-G-Ende mit der Kugel für Dorfmeister am vergangenen Wochenende in Lenzerheide.
Zukunftshoffnungen werden behutsam aufgebaut
Hoffnung machen dabei Namen wie Zettel, Hosp oder vor allem Schild. Bei der 23-jährigen Schild will man im ÖSV-Lager aber besonders behutsam vorgehen. "Da muss man auf Grund ihres Knies aufpassen. Da muss sie in sich selbst reinhorchen. Dass sie gleich ab nächster Saison alle vier Disziplinen bestreitet, wird es nicht spielen. Da muss man sicher Abstriche machen", so Mandl.
Einmal mehr Top-Leistungen abgeliefert haben die Routiniers Götschl und Dorfmeister, die als mit Abstand beste Österreicherinnen im Gesamt-Weltcup die Plätze drei und vier belegt haben. Für Speed-Queen Götschl ging damit eine sensationelle Serie weiter: die Steirerin hat seit 1996, also mittlerweile zehn Saisonen in Folge, im Gesamt-Weltcup ein Top-10-Ergebnis erreicht, davon landete sie gleich sechs Mal unter den Top-3. Ähnlich sieht es bei Michi Dorfmister aus: die Niederösterreicherin erreichte zum siebenten Mal in Folge ein Top-10-Ergebnis in der Gesamt-Wertung. Kein Grund also, um die Ski vor dem Olympia-Winter an die Wand zu nageln. (apa/red)
