Donnerstag, 17. März 2005

Kritische Stimmen zum Mölzer-Auschluss: Stadler sieht "sektoide Züge" in der Partei

  • Parteiführung habe es auf einen "Crash-Kurs" angelegt
  • 'Kann Mölzer nichts vorwerfen': Droht zweites Knittelfeld?

FP-Volksanwalt Ewald Stadler übt erwartungsgemäß scharfe Kritik am angekündigten Parteiausschluss von EU-Mandatar Andreas Mölzer. "Ich nehme an, das ist die neue Lässigkeit, dass man Leute, die nicht dem Haider-Anbetungsverein angehören, sofort ausschließt", sagte Stadler auf Anfrage der APA. Er rät allen parteiinternen Kritikern, "sich nicht provozieren zu lassen". Die jetzige Parteiführung habe es auf einen "Crash-Kurs" angelegt.

Ob es weitere Ausschlüsse geben könnte, wollte Stadler, der als Vertrauter Mölzers gilt, nicht einschätzen. "Ich weiß es nicht. Bei den Leuten, die hier am Werk sind, kann ich nichts ausschließen. Das Interesse an einer Deeskalation ist offenbar nicht vorhanden. Man will gezielt auf einen Crash-Kurs hinarbeiten, um die FPÖ kaputt zu machen", sagte Stadler.

Die Parteiführung habe das bereits bei der letzten Vorstandssitzung vorige Woche versucht. Nun arbeite man offenbar an einer weiteren "Verschärfung", um unter Vorwänden eine neue Partei gründen zu können, "wo dubiose Finanziers das Sagen haben und die Parteibasis nur auf den Status eines Anbetungsvereins reduziert wird", glaubt Stadler. Und: "Das alles hat schon sektoide Züge."

Stadler: "Kann Mölzer nichts vorwerfen"
Stadler steht jedenfalls weiter hinter Mölzer. "So lange er nichts angestellt hat - und ich kann ihm nichts vorwerfen - bin ich der Meinung, dass keine Kritiker auszuschließen sind. Das ist nicht freiheitlich." Er halte die Vorgangsweise für "absurd". Vor einem eigenen Parteiausschluss habe er "keine Angst", so Stadler. "Ich fürchte mich vor niemandem. Auch nicht vor Jörg Haider. Dazu kenne ich ihn zu gut."

Dem Wiener FP-Chef Heinz-Christian Strache, der beim anstehenden Bundesparteitag als möglicher Haider-Gegenkandidat gehandelt wird, rät Stadler, gelassen zu bleiben. "Ich kann allen nur raten, sich nicht provozieren zu lassen." Und Mölzer schlägt er vor, "sich zu wehren. Die Statuten ermöglichen das". Stadler meinte auch, dass Mölzer nur vom Vorstand der Bundespartei und nicht von der Kärntner FPÖ ausgeschlossen werde können.

Droht ein zweites Knittelfeld?
Auf die Frage, ob Strache nun als Parteichef kandidieren solle, wollte sich Stadler nicht festlegen. "Noch ist der Vorschlag nicht offiziell. Ich weiß auch nicht, ob er offiziell wird." Er äußere sich erst, wenn Strache sich selber entschieden habe.

Droht nun ein zweites Knittelfeld? Stadler: "Ich überlege, ob ich nach Ostern nicht die wahren Hintergründe von Knittelfeld offen lege." Die jetzigen Vorkommnisse würden ihn jedenfalls an die damaligen Vorgänge erinnern. "Ich habe mich damals von den gleichen Kräften vor den Karren spannen lassen. Das wird mir im Leben kein zweites Mal passieren", so Stadler. (apa/red)

17.3.2005 12:17