'Bush und Blair stoppen Berlusconi': Verwirrung in Italien um Irak-Truppenabzug
- Oppositionspolitiker sprechen von "völliger Konfusion"
- Regierungschef: Es hat nie festes Datum gegeben
Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat mit widersprüchlichen Aussagen über einen Truppenabzug Italiens aus dem Irak für Verwirrung gesorgt. Nach den verstörten Reaktionen aus den USA und Großbritannien auf die Ankündigung Berlusconis, die italienischen Soldaten würden ab September nach Hause geholt, ruderte der Regierungschef zurück. Es habe nie ein festes Datum für den Abzug gegeben, zitierten italienische Zeitungen Berlusconi am Donnerstag.
"Ein Weltrekord: Er hat seine Ankündigung des Rückzugs innerhalb eines halben Tages wieder zurückgezogen", kommentierte Francesco Rutelli, Chef des linksliberalen Bündnisses "Margherita". Die Mitte-Links-Opposition habe zunächst "freudig die vernünftige Position eines schrittweisen Abzugs zur Kenntnis genommen". Berlusconi habe diese aber nach einem "deftigen Ruck" von US-Präsident George Bush wieder revidiert, sagte Rutelli am Donnerstag. "Bush und Blair stoppen Berlusconi", titelte die Zeitung "La Repubblica".
"Der Monat September war nur meine Hoffnung. Wenn es aber nicht möglich ist, dann ist es eben nicht möglich", hatte Berlusconi weiter vor Journalisten erklärt. Alle Entscheidungen würden nur in Übereinstimmung mit den Alliierten getroffen. Gleichzeitig veröffentlichte die Zeitung "Il Foglio" am Donnerstag jedoch einen Wortbeitrag Berlusconis, in dem es heißt, seit den irakischen Wahlen vom 30. Jänner könne man von einem "abgeschlossenen Einsatz" sprechen. Oppositionspolitiker sprachen von "völliger Konfusion" und forderten Berlusconi auf, der Öffentlichkeit im Parlament über seine tatsächlichen Absichten zu berichten.
Berlusconi hatte am Dienstagabend in einer TV-Talkshow angekündigt, Italien werde ab September mit dem Abzug der seiner rund 3000 Soldaten aus dem Irak beginnen. Kommentatoren werteten die Aussage als geschicktes, aber übereiltes Manöver vor der Regionalwahl in Italien Anfang April. Die überwiegende Mehrheit der Italiener war von Anfang an gegen eine Entsendung der Truppen. dpa cf xx mu
(apa/red)
