Mittwoch, 16. März 2005

Ankündigung von Berlusconi: Italien reduziert ab September Irak-Truppen

  • Italiens Regierungschef unterrichtete bereits Tony Blair
  • Abzug hänge aber von Sicherheitsstrukturen im Irak ab

Elf Tage nach dem Tod des italienischen Geheimdienstbeamten Nicola Calipari im Irak hat die Regierung in Rom angekündigt, ab September einen Teil ihrer Soldaten aus dem Zweistromland abzuziehen. Italien ist einer der engsten Verbündeten der USA. Die Rezuzierung der Truppen geschehe in enger Absprache mit Italiens Alliierten, sagte Ministerpräsident Silvio Berlusconi am Dienstagabend dem staatlichen Fernsehsender RAI. Das Kontingent werde auf jeden Fall noch vor Ende des Jahres reduziert, erklärte Berlusconi.

"Bereits im September werden wir mit einer allmählichen Reduzierung der Zahl unserer Soldaten im Irak beginnen", erklärte Berlusconi laut Meldungen italienischer Nachrichtenagenturen. Italien hat 3.000 Soldaten im Irak stationiert. Rom stellt damit das viertgrößte Kontingent nach den Vereinigten Staaten, Großbritannien und Südkorea. Insgesamt kamen bei dem Einsatz bisher 28 Italiener ums Leben. Berlusconi hatte mehrfach angekündigt, die Truppen würden reduziert, sobald dies die Sicherheitslage erlaube.

Das Tempo der Truppenreduzierung werde von der Fähigkeit der irakischen Regierung abhängen, eigene Sicherheitsstrukturen aufzubauen, wurde Berlusconi von der Nachrichtenagentur ANSA zitiert. Er habe darüber mit dem britischen Premierminister Tony Blair gesprochen, "und es ist die öffentliche Meinung in unseren Ländern, die diese Entscheidung erwartet".

Im Zuge des Geiseldramas um die Journalistin Giuliana Sgrena hatte Hunderttausende in Italien für einen Rückzug der Truppen demonstriert. Nach Sgrenas Freilassung hatten Anfang Februar US- Soldaten auf dem Weg zum Bagdader Flughafen auf deren Wagen geschossen. Dabei waren ein Geheimdienstmitarbeiter getötet, Sgrena und ein weiterer Beamter verletzt worden. Die USA haben Rom eine umfassende Aufklärung des Vorfalls zugesagt.

Am Dienstagabend stimmte die italienische Abgeordnetenkammer der weiteren Finanzierung des Irak-Einsatzes bis Ende Juni zugestimmt. 246 Abgeordnete stimmten dafür, 180 dagegen. Acht Abgeordnete enthielten sich. Bereits im Februar hatte der römische Senat mit großer Mehrheit zugestimmt. Die Entscheidung galt angesichts der Mehrheit der Mitte-Rechts-Koalition von Ministerpräsident Silvio Berlusconi bereits im Vorfeld als sicher.

Rice lobt Italiener: "Haben tapfer gedient"
Nach der Ankündigung eines italienischen Truppenabzugs aus dem Irak hat die US-Regierung die bisherige Arbeit der italienischen Soldaten dort gelobt. "Die Italiener haben tapfer gedient bei der Unterstützung der Demokratie im Irak", sagte US-Außenministerin Condoleezza Rice am Mittwoch bei einem Besuch in der indischen Hauptstadt Neu Delhi. Sie vertraue darauf, dass jede Entscheidung über die italienischen Truppen so koordiniert werde, dass die Mission im Irak nicht gefährdet werde.

Trotz der Opfer in den eigenen Reihen hätten die Italiener unerschütterlich den Wunsch des irakischen Volkes nach Demokratie unterstützt, sagte Rice. Die irakischen Sicherheitskräfte müssten nun möglichst schnell soweit ausgebildet werden, dass sie selber die Sicherung ihres Landes in die Hand nehmen könnten. Der indische Außenminister Natwar Singh sagte, Indien sei bereit, zum wirtschaftlichen Wiederaufbau im Irak beizutragen. Bitten der USA nach Entsendung indischer Truppen in den Irak hat die Regierung in Neu Delhi stets eine Absage erteilt.
(apa/red)

16.3.2005 07:50