Jericho ging zurück an die Palästinenser: Die Israelischen Soldaten sind abgezogen
- Als erste von fünf Städten im Westjordanland
- Abbas um Waffenstillstand der Palästinenser bemüht
·Naher Osten: Kofi Annan optimistisch
Nach Gespräch mit Abbas zuversichtlich für Frieden
·Israel: Sperranlage soll erweitert werden
Umzäunung der größten jüdischen Siedlung geplant
·Israel will 24 illegale
Außenposten räumen
Annan traf israelischen Regierungschef Sharon
Die israelischen Soldaten sind am Mittwoch aus der palästinensischen Stadt Jericho abgezogen. Die Übergabe der Verantwortung für Sicherheit und Ordnung in der Stadt an die Palästinenser bildete den Auftakt für den Abzug der israelischen Armee aus insgesamt fünf Städten im Westjordanland. Dies war auf dem Gipfeltreffen von Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas (Abu Mazen) mit dem israelischen Ministerpräsidenten Ariel Sharon am 8. Februar vereinbart worden, hatte sich aber wegen Unstimmigkeiten über den Umfang des Abzuges wochenlang verzögert.
Die Aktion soll jetzt Abbas den Rücken stärken, der gegenwärtig in Ägypten die militanten Palästinenser-Gruppen überzeugen will, ihren vorübergehenden Gewaltverzicht in einen formellen Waffenstillstand umzuwandeln.
Der Abzug aus Jericho begann am frühen Morgen und sollte bis zum Nachmittag abgeschlossen sein. An einem früheren israelischen Kontrollpunkt luden Soldaten mit Kränen Betonblöcke auf Lastwagen. Palästinenser feierten das Ereignis mit Picknicks und zum Sieg-Zeichen gespreizten Fingern. "Von jetzt an übernehmen wir die Kontrolle über das Gebiet von Jericho", sagte der palästinensische General Ahmed Eid, kurz nachdem er in einer kleinen Zeremonie die Hand eines israelischen Offiziers geschüttelt hatte.
Auch Betlehem soll "abgegeben" werden
Neben Jericho sollen die israelischen Soldaten auch aus Tulkarem, Ramallah, Kalkilya und Bethlehem abziehen. Die palästinensischen Sicherheitskräfte übernehmen damit auch die Verantwortung dafür, dass die militanten Palästinenser unter Kontrolle gehalten werden. Israel hat seinerseits zugesagt, künftig keine Festnahmen und Razzien mehr vorzunehmen und die Einschränkungen der Bewegungsfreiheit in und zwischen den Städten aufzuheben.
Abbas verhandelt derzeit in Kairo mit Vertretern radikaler Palästinenser-Organisationen. Die neue "Politik der Beruhigung der Lage" habe sich für die Palästinenser bereits ausgezahlt, so Abbas. Zu den Erfolgen dieser Politik zählten die von Israel angekündigte Räumung mehrerer Städte im Westjordanland, sowie die Zusicherung der Israelis, die gezielten Tötungen von Palästinensern einzustellen, sagte der Palästienenser-Präsident am Mittwoch in Kairo nach einem Treffen mit dem ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak. Gleichzeitig beklagte er sich nach Angaben der ägyptischen Nachrichtenagentur MENA jedoch über die "Verschleppungstaktik" der Regierung von Ministerpräsident Sharon, die sich bei der Umsetzung ihrer Verpflichtungen zu viel Zeit lasse.
Hamas unterstützt Abbas "momentan"
An die Adresse der Vertreter von 13 palästinensischen Parteien und Organisationen, die seit Dienstagabend in Kairo über eine zeitlich begrenzte Waffenruhe-Verpflichtung verhandeln, sagte er: "Wir müssen wissen, dass wir es mit einem Verhandlungspartner zu tun haben, der nicht einfach ist. Wir müssen ihm alle Vorwände entreißen." Bis zum Jahresende müsse der Zustand vor der Wiederbesetzung weiter Teile des Westjordanlandes durch Israel wieder hergestellt sein.
Der Vorsitzende des Politbüros der radikalislamischen Hamas, Khalid Meshal, sagte laut MENA auf die Frage, ob seine Organisation nun dem bewaffneten Kampf gegen Israel abschwören wolle, es gebe Ziele, die auf politischem Weg nicht zu erreichen seien. Gleichzeitig deutete er an, dass Hamas momentan Abbas unterstützen wolle. (apa)
