"Nach 60 Jahren Welt aufgewacht": Neues Holocaust-Museum in Jerusalem eröffnet
- Israel: Reihe von Regierungschefs bei Eröffnungsfeier
- Fischer betont Deutschlands besondere Verantwortung
·Naher Osten: Kofi Annan optimistisch
Nach Gespräch mit Abbas zuversichtlich für Frieden
"Nach 60 Jahren ist die Welt ein wenig aufgewacht." Mit diesen Worten hat der Auschwitz-Überlebende Naphtali Lavie am Dienstag das neue Holocaust-Museum in Jerusalem eröffnet. Im Beisein von Regierungschefs und Ministern aus 40 Staaten befestigte er die traditionelle jüdische Mesusah (Messusa), eine Kapsel mit einem Pergamentstreifen und Thora-Versen, an der Tür des Gebäudes in der Gedenkstätte Yad Vashem. Die Ausstellung gebe den Betroffenen das Gefühl zurück, dass sie menschliche Wesen seien, sagte Lavie.
Im Beisein zahlreicher Staats- und Regierungschefs durchschnitt Israels Präsident Moshe Katzav ein Band und erklärte das Museum am Jerusalemer Herzl-Berg für eröffnet. Das neue Museum ergänzt die 1953 geschaffene Gedenkstätte, mit der Israel die Erinnerung an die sechs Millionen Opfer des Holocaust wachhalten will. Der Nobelpreisträger und Holocaust-Überlebende Elie Wiesel äußerte am Dienstag Verständnis für die Schwierigkeiten junger Deutscher in der Auseinandersetzung mit der dunklen Geschichte. Sie seien nicht verantwortlich für den Holocaust, aber für das Gedenken daran.
An der Zeremonie auf dem Jerusalemer Berg der Erinnerung nahmen zahlreiche geladene Gäste teil, auch UN-Generalsekretär Kofi Annan und eine Reihe von Regierungschefs und Regierungsmitgliedern. Die USA vertrat der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg. "Hier können wir sehen, wozu es führen kann, wenn wir im Kampf um Freiheit nachlassen", sagte er vor der Einweihungsfeier. "Wir dürfen Intoleranz an keinem Ort und gegen kein Volk der Erde zulassen." Österreich wurde durch Kunst-Staatssekretär Franz Morak vertreten.
Wenige Stunden zuvor hatte der deutsche Außenminister Joschka Fischer in Jerusalem an die Ermordung von sechs Millionen Juden unter dem NS-Regime erinnert. Er hob die "historische und moralische Verantwortung" Deutschlands für die Shoa hervor. Unter dem Eindruck des neuen Museums sprach er von einem "bewegenden Tag", an dem es wichtig sei, auf das Existenzrecht Israels und das Recht seiner Bürger auf ein Leben in Frieden hinzuweisen. (apa/red)
