Absturz der FPÖ: Vor allem SPÖ profitierte in Steiermark von freiheitlicher Niederlage
- Ex-ÖVP-Landesrat sieht die SPÖ "auf der Überholspur"
- Kopf-an-Kopf-Rennen ÖVP-SPÖ bei Landtagswahl
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Verschiedene Umfragen: SP & VP um knappen Sieg
Bei der steirischen Gemeinderatswahl am Sonntag hat laut Meinungsforscher Günther Ogris vom Institut Sora zu gleichen Teilen die ÖVP und die SPÖ von den freiheitlichen Verlusten profitiert - zumindest in jenen Gemeinden, in denen die FPÖ eine Kandidatur zu Stande gebracht hat. In Orten, wo die FPÖ keine Kandidaten mehr aufstellen konnte, seien laut Ogris deren Wähler fast ausschließlich zur SPÖ geflossen. Der Politologe Anton Pelinka sieht die Sozialdemokraten als Hauptprofiteur der freiheitlichen Pleite. Für den früheren ÖVP-Landesrat Gerhard Hirschmann ist die SPÖ "auf der Überholspur".
Ogris meinte, in den Gemeinden ohne FPÖ-Kandidatur hätte die SPÖ nicht nur viereinhalb, sondern bis zu acht Prozent zugelegt. "Da ist der Großteil der Stimmen der FPÖ zur SPÖ hinübergewandert, die ÖVP hat nur einen kleineren Teil davon bekommen". Damit komme bei den Landtagswahlen "ein großes Motivationsproblem auf die Freiheitlichen zu". Es gebe zwar einige Gemeinden, wo die FPÖ fast gar nichts verloren oder sogar etwas zugelegt habe. Dennoch habe die Partei in 136 Gemeinden "sozusagen niemand gefunden, der sich zu ihr bekennt". Das sei natürlich absolut ein Alarmsignal für jede Organisation.
Was die Landtagswahl im Herbst - für die es immer noch keinen genauen Termin gibt - betreffe, so werde es ein "spannender Wahlabend". Bezüglich des Zweikampfes ÖVP gegen SPÖ erwartet Ogris auch für den Herbst ein Kopf-an-Kopf-Rennen: "Es war die Gemeinderatswahl 2005 ein absolut knappes Ergebnis, und es zeigen auch die Umfragen, dass es für die kommende Landtagswahl Kopf an Kopf steht".
Die frühere Nummer zwei der steirischen VP, Ex-Landesrat Gerhard Hirschmann, dem selbst Ambitionen auf eine eigene Liste bei der Landtagswahl nachgesagt werden, sieht als Kommentator in der "Presse" die SPÖ auf der Überholspur: "Wer sich im Wettgeschäft ein paar Euro dazuverdienen möchte, kann eine sichere Bank auf die SPÖ setzen." Allein der Umstand, dass SPÖ-Chef LHStv. Franz Voves sympathisch wirke und LH Waltraud Klasnic (V) damit dieses emotionale Asset streitig mache, "könnte für einen historischen Wahlsieg reichen." Hirschmanns Überlegung: "Damit ergibt sich schon jetzt unabdingbar eine strategische Mehrheit im künftigen steirischen Landtag für SPÖ, Grüne und KPÖ." Selbst wenn es der ÖVP gelingen sollte, die Grünen für die Wahl des Landeshauptmannes zu gewinnen, wäre ein Regieren wohl kaum möglich.
"Die steirische FPÖ droht wieder dort zu landen, wo sie 1986 Jörg Haider nach seiner Innsbruck-Revolte gerettet hat: als Minifraktion", so der Ex-Landesrat und geschasste EStAG-Vorstand. Das Verhalten von Landeschefin Klasnic sei "für viele ihrer ehemaligen Fans völlig unverständlich - Causa EStAG, Spielberg, Semmeringtunnel und Personalpolitik könnten dafür sorgen, dass es "im Herbst dramatisch werden" könnte, meinte Hirschmann.
Politologe Pelinka erwartet doppeltes Kopf-an-Kopf-Rennen
Ein Rittern um Platz eins und auch um Platz drei sieht der Politologe Anton Pelinka nach den Gemeinderatswahlen für die kommende Landtagswahl in der Steiermark. Wie der Dekan der Fakultät für Politikwissenschaften und Soziologie an der Universität Innsbruck am Montag sagte, sei dabei die Landeshauptstadt Graz "die große Unbekannte". Entscheidend werde sein, ob die SPÖ hier ihren "Nach-Stingl-Absturz" verkraftet habe oder nicht. Eine wichtigere Rolle würden auch die Grünen spielen, denen es am Sonntag noch an "Bodenpersonal" gefehlt habe.
Vor allem die SPÖ profitierte
Auffallend war bei den Gemeinderatswahlen, dass die FPÖ in den Industrieregionen voll abgegestürzt ist, ihr Fall aber durch die traditionellen Gemeinden beispielsweise im oberen Ennstal gebremst worden ist, so Pelinka im APA-Gespräch. Im Gegensatz zu Niederösterreich gebe es in der Steiermark ein "gewisses Kernmilieu", auf das man nun zurückgeworfen worden sei, so Pelinka. Zu Gute gekommen seien die blauen Verluste in erster Linie der SPÖ. Strategisch von Vorteil wäre für die ÖVP seit Sonntag das Antreten von Ex-Landesrat Gerhard Hirschmann, sofern sich dieser zu einer Kandidatur entschließen sollte. Er könnte Protestwähler sammeln und sogar bis zur drittstärksten Kraft aufsteigen und dann doch Waltraud Klasnic wieder in den Sessel des Landeschefs hieven helfen, glaubt Pelinka.
Bei dem Näherrücken der SPÖ an die ÖVP sei zu berücksichtigen, dass die Steiermark - verglichen mit Niederösterreich - nie ganz ÖVP-dominiert gewesen sei. Den Sozialdemokraten sei es insbesondere in ihren angestammten Hochburgen, den Industrieregion des Mur- und Mürztales gelungen, wieder "in altem Glanz" zu erstrahlen. Dabei sei ihr natürlich auch das bundes- und landespolitische Klima zu Gute gekommen. Von überregionalen Trends besonders gebeutet war offenbar die FPÖ: "Hier wurde nur noch Chaos wahrgenommen", so der Politologe.
(apa/red)
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