Donnerstag, 17. März 2005

Kurt Krenn im NEWS-Interview: "Momentan ist es nicht grad lustig in der Kirche"

  • Die erste Bilanz des Ex-Bischofs nach seinem Rücktritt
  • "Der Papst hat dann zu gehen wenn ihn der Herr ruft"

Kurt Krenn spricht im NEWS-Interview über die Diözese St. Pölten, das Priesterseminar und den kranken Papst.

NEWS: Sie bleiben in der Diözese St. Pölten. Mit welchen Aktivitäten Ihrerseits ist künftig zu rechnen?
Krenn: Für mich weiß ich's schon, aber ich will noch nichts öffentlich thematisieren. Es wird was sein, was mit dem Weg und den Problemen der Kirche zusammenhängt. Weil ich mich nicht zufriedengebe mit dem, was passiert.

NEWS: Was meinen Sie?
Krenn: Entwicklungen und Vorgänge, es ist alles momentan nicht grad lustig in der Kirche. Es geht um deren Zustand und um eine bestimmten Art und Weise ihres Inneren. Es wird zu wenig für den lieben Gott getan. Es gibt viele unbewältigte Dinge, auch in der Ortskirche.

NEWS: Sie greifen wieder ein?
Krenn: Wenn es gewünscht wird, ja.

NEWS: Wer sollte das wünschen? Die Bischofskonferenz oder wer?
Krenn: Nein, nein, die nicht, sondern die Gläubigen, das Volk Gottes. Viele haben Kontakt mit mir, suchen diesen, sind sehr freundlich, oft sogar jetzt freundlicher als vorher.

NEWS: Im Rückblick - vertrauten Sie zu naiv Leuten, Stichwort: Priesterseminar, die Sie "legten"?
Krenn: Erstens, ich bin nicht dumm und lasse mich nicht legen. Zweitens, ich habe gute Leute gehabt. Ich will wirklich verantwortlich sein für das, was ich getan habe. Ich will nicht haben, dass es heißt, na ja, der hat sich von irgendjemanden hinters Licht führen lassen.

NEWS: Aber Sie konnten nicht für alle die Hand ins Feuer legen.
Krenn: Eben, das war's auch. Diese ganze Sache, das war in Wirklichkeit nie mein Problem. Noch was: Wir haben in der Kirche Österreichs jedenfalls eine ganze Reihe von Diözesen mit Riesenproblemen. Aber grad in St. Pölten, die sicher nicht die mit den größten Problemen war, hat man halt zugeschlagen.

NEWS: Sie meinen, man wollte Sie einfach als Bischof loswerden?
Krenn: Natürlich, ja!

NEWS: Es heißt, Ihr Rücktritt sei vom Papst erzwungen, jedenfalls befördert worden. Hat Sie das enttäuscht?
Krenn: Nein. Wissen S', wenn man der Kirche alles geschenkt hat, dann fordert man Kleinigkeiten nicht zurück. Ich habe der Kirche alles geschenkt, mein ganzes Leben, immer mit voller Kraft, ohne Reserven, und das tue ich weiter. Es ist der Wille Gottes, der sich mir zeigt.

NEWS: Umso verständlicher wäre Ihre Enttäuschung, dass Sie der Vatikan nicht gehalten hat.
Krenn: Wozu sollte ich gehalten worden sein? Ich weiß nicht ganz gesichert, wer das größte Interesse an meinem Abgang hatte, nur: der Papst sicher nicht!

NEWS: Zu 2004, Ihrem Rücktrittsjahr - welche Bilanz ziehen Sie? War es ein Jahr der persönlichen Krise?
Krenn: Ich bin und ich war nie in der Krise, ich bin auch in keine geraten. Das sind die anderen. Diese sollte man dazu befragen ...

NEWS: Aber so einfach ist es doch nicht - wenn man 13 Jahre Bischof war -, so das Amt verlassen zu müssen. Unvorstellbar, dass das an Ihnen schmerzlos vorbeiging.
Krenn: Das ist eine ganz andere Frage. Nein, wehgetan hat das nicht. Ehrlich gesagt, ich weiß doch, dass das alles mit der Kirche zu tun hat, mit Kirchen- und Machtpolitik. Natürlich, es würden sich viele freuen, wenn's mir wehtäte, das kann sein, das will ich gar nicht dementieren. Aber ich sage mir einfach: Geh, habts mich doch gerne!

NEWS: Zum Vatikan - der Papst ist schwer krank. Viele wollen seinen Rücktritt. Ist das o. k.?
Krenn: Nein. Der Papst hat zu bleiben und dann zu gehen, wenn ihn der Herr ruft.

NEWS: Kardinal Christoph Schönborn wird immer wieder als möglicher Nachfolger genannt. Halten Sie Schönborn für papsttauglich?
Krenn: Das ist eine unchristliche Frage, die ich nicht kommentieren, die ich nicht beantworten will.

17.3.2005 09:58