Dienstag, 15. März 2005

Klare Tendenz zur Ausgrenzung: Zwei von drei Österreichern lehnen Zuwanderer ab!

  • Aktuelle EU-Studie: Multi-Kulti-Gesellschaft in der Kritik
  • Mehrheit tritt für Rückführung straffälliger Migranten ein

Durchschnittlich ein Viertel der EU-Bürger lehnt eine multikulturelle Gesellschaft ab. Dieser Wert ist zwischen 1997 und 2003 stabil geblieben, so die europäischen Beobachtungsstelle für Rassismus und Fremdenfeindlichkeit (EUMC). Die Auffassung, die multikulturelle Gesellschaft sei an ihre Grenzen gestoßen, hat sich jedoch verbreitet: 2003 waren in Österreich genau 61,3 dieser Meinung.

Das EUMC hat Erhebungen zu den Themen Migration und Minderheiten von Eurobarometer-Umfragen der Jahre 1997, 2000 und 2003 sowie der Europäischen Sozialstudie 2003 analysiert und präsentiert. EUMC-Direktorin Beate Winkler wies auf widersprüchliche Haltungen hin: Den 60 Prozent in den "alten" EU-15, die das Ende des Multi-Kulti erreicht sahen, stünden 80 Prozent gegenüber, die angaben, keine Schwierigkeiten im Zusammenleben mit Einwanderern und Angehörigen von Minderheiten zu haben.

50 Prozent der EU-Bürger in den alten und neuen Mitgliedstaaten zusammen genommen, äußerten sich in der Europäischen Sozialstudie von 2003 ablehnend gegenüber Zuwanderern. Österreich lag dabei mit über 64 Prozent nur hinter Ungarn und Griechenland . Die Befürwortung von Rückführungsmaßnahmen für straffällig gewordene Migranten überstieg im europäischen Durchschnitt die Zwei-Drittel-Marke.

Studienleiter John Wrench stellte folgende Tendenzen fest: Besser ausgebildete Menschen und Menschen mit höherem Einkommen zeigen weniger Ablehnung für die multikulturelle Gesellschaft, Minderheiten und Einwanderern. Jüngere Menschen treten weniger häufig für die Ausgrenzung von Fremden ein als ältere. In ländlichen Regionen ist der Widerstand gegen Ausländer größer als in Städten.

"Die Politik ist gefragt", stellte Winkler fest. Bei einer "klaren politischen Orientierung" gingen negative Ansichten gegenüber Migranten und Minderheiten-Angehörigen zurück. (apa)

15.3.2005 14:43