Donnerstag, 10. März 2005

Dramatischer Vorfall in Ebensee: Dach von
Supermarkt brach unter Schneelast ein!

  • Keine Verletzten: Aufmerksame Chefin warnte rechtzeitig
  • PLUS: Schneechaos in ganz Österreich & die BILDER!

Das Dach eines Supermarktes in Ebensee (Bezirk Gmunden) in Oberösterreich ist Donnerstagmittag unter der Last des Neuschnees eingestürzt. Einer 29-jährigen Mitarbeiterin ist es zu verdanken, dass niemand verletzt wurde: Sie warnte ihre Kollegen und die Kunden rechtzeitig. Ein Sachverständiger der zuständigen Staatsanwaltschaft Wels war am Nachmittag an Ort und Stelle.

Kurz nach 12.00 Uhr hörte die stellvertretende Leiterin des Supermarktes vom Dach ein knackendes Geräusch. Geistesgegenwärtig rief sie ihren vier Kollegen und den etwa zehn bis 15 Kunden zu, das Geschäft so rasch wie möglich zu verlassen. Dadurch dürfte sie ein größeres Unglück verhindert haben, erklärte ein Gendarmeriebeamter im Gespräch mit der APA. Denn etwa 20 bis 30 Sekunden später stürzte das Dach, das eine Gesamtfläche von rund 600 Quadratmetern hat, zur Hälfte ein.

Die zu Hilfe gerufene Feuerwehr konnte gegen 14.15 Uhr durch den Notausgang in den Supermarkt vordringen. Die Florianijünger suchten unter den Trümmern, sie fanden jedoch keine Verschütteten. Wie Einsatzleiter Emil Hofinger im Anschluss erklärte, dürften sich zum Zeitpunkt des Zwischenfalls "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" keine Menschen mehr im Geschäft befunden haben.

Die rund 80 Zentimeter dicke, nasse Schneedecke dürfte das Dach zum Einsturz gebracht haben. In den vergangenen Tagen habe es "gewaltig geschneit", berichtete der Gendarm.

Schneechaos vor Frühlingsbeginn: Tauernautobahn gesperrt
Ein wahres Schneechaos gab es in Salzburg, Oberösterreich und der Steiermark zehn Tage vor Frühlingsbeginn: Die Tauernautobahn wurde zwischen Flachau und Zedernhaus wegen akuter Lawinengefahr gesperrt, West- und der Pyhrautobahn waren in der Früh abschnittsweise wegen hängen gebliebener Fahrzeuge blockiert, das obersteirische Eisenerz war nicht erreichbar, da sämtliche Zubringer ebenfalls wegen Lawinengefahr nicht passierbar waren.

Eisenerz abgeschnitten: "Wir harren aus"
In Eisenerz wartete man auf Wetterbesserung, um Erkundungsflüge per Hubschrauber durchführen zu können. Erst dann wird es möglich sein, Lawinen abzusprengen. "Wir harren aus", hieß es von Seiten des Bürgermeisters Gerhard Freiinger. "Es ist ähnlich wie beim letzten Mal Anfang Februar", sagte Freiinger im APA-Gespräch. "Wir sind mit der Situation also schon vertraut." Es gebe zwar kein Rein- oder Rauskommen, aber innerhalb des Ortes könnten sich die Bewohner nach enormen Räumungsarbeiten einigermaßen frei bewegen. Auswärtige Berufstätige und Schüler seien von den Straßensperren rechtzeitig in Kenntnis gesetzt worden. Wer also nicht in die Arbeit oder Schule gehen konnte, galt automatisch als entschuldigt.

Verkehrsbehinderungen nach Lawinenabgängen
Wie schon am Faschingswochenende wurden mehrere weitere Orte in der Obersteiermark - u. a. Johnsbach, Gstatterboden, St. Nikolai im Sölktal und Planneralm - wegen Lawinensperren von der Umwelt abgeschnitten, auch das Salzkammergut und Mariazell waren von steirischer Seite nicht zu erreichen.
Im Gesäuse waren Mittwochabend zwei große Lawinen abgegangen. Eine donnerte über eine Gemeindestraße in die Enns und verschüttete zum Teil noch die gegenüber liegende Bundesstraße. Eine weitere Lawine blockierte die Bahnstrecke im Gesäuse, ein Güterzug konnte gerade noch rechtzeitig anhalten.

Zahlreiche Sperren
Auf der A9, der Pyhrnautobahn, kam der Verkehr zwischen St. Pankratz und Kirchdorf in Oberösterreich wegen hängen gebliebener Lkw teilweise völlig zum Erliegen. In diesem Bereich musste sie in der Früh wegen der Schneefälle gesperrt werden. Am frühen Vormittag rollte der Verkehr wieder. Auch die Westautobahn musste abschnittsweise gesperrt werden. Besonders betroffen war das Seengebiet zwischen St. Georgen und Mondsee. Die Räumfahrzeuge mussten sich zwischen den hängen gebliebenen Lkw "durchschlängeln", berichtete die Verkehrsabteilung.

Gesperrt wurden Donnerstag früh auch die Pyhrnpassbundesstraße zwischen Spital und Liezen. Die Seeleitenbundesstraße zwischen Unterach und Weißenbach war durch eine Lawine blockiert, ebenso wie die Pass Gschütt Bundesstraße. Gesperrt waren abschnittsweise auch die Hallstätter Landesstraße und die Koppenstraße zwischen Bad Aussee und Obertraun. Hallstatt und Obertraun waren mit dem Auto nicht erreichbar. Die Feuerwehr versorgte die Bevölkerung auf dem Seeweg.

In Salzburg war die Ortschaft Tweng (Lungau) wegen einer Sperre der Katschberg-Straße (B99) zwischen Mauterndorf und Obertauern auf Grund von Lawinengefahr nicht erreichbar. Auch Saalbach war stundenlang von der Außenwelt abgeschnitten, die Sperre der Glemmtal-Landesstraße konnte am späten Vormittag aufgehoben werden. Auf den Salzburger Straßen kam es zu zahlreichen Unfällen, die zum Glück glimpflich verliefen. Wie lange die Sperre der Tauernautobahn dauern wird, war zunächst nicht bekannt, da nicht abschätzbar war, wann die Lawinensprengungen durchgeführt werden können.

Auch die Arlberg-Gemeinden Lech, Zürs und Stuben waren in der Früh auf dem Straßenweg nicht erreichbar. Wegen akuter Lawinengefahr hatte die Lechtal Straße (B198) zwischen Alpe Rauz und Zürs am Mittwoch gegen 22.00 Uhr gesperrt werden müssen. Bis zum Vormittag war auch die Arlberg Passstraße zwischen Alpe Rauz und St. Christoph nicht befahrbar.

Lawine verschüttet Bahnstrecke und Straße in Tirol und Deutschland
Eine Staublawine im Bereich des Grenzüberganges Scharnitz/Mittenwald hat die Bundesstraße und die Eisenbahnlinie am Donnerstag verschüttet. Zwei Fahrzeuge wurden von der Lawine beschädigt, verletzt wurde dabei niemand, teilte die Gendarmerie mit.

Die Lawine war gegen 8.40 Uhr abgegangen. Nach Entscheidung der Lawinenkommission Scharnitz/Mittenwald wurde die B 177 Seefelder Bundesstraße und die Bahnlinie zwischen Mittenwald und Scharnitz sofort gesperrt. Ob es zu Schäden bei der Bahnlinie gekommen ist, war vorerst unklar.

Die Bundesstraße war auf einer Länge von 30 bis 40 Metern von etwa einem halben Meter Schnee verschüttet. Der Lawinenkegel befand sich auf deutschem und österreichischen Staatsgebiet. Die Bundesstraße blieb bis auf Widerruf gesperrt.

(apa/red)

10.3.2005 17:18