Montag, 7. März 2005

"Wir brauchen Handys": Siemens-Chef Hochleitner für Sanierung der Handy-Sparte

  • Momentan schreibt Siemens damit 1Mio. Verlust täglich
  • Der Standort in Österreich ist im Vergleich zu teuer

Ein Handynetzwerkhersteller ohne eigene Endgeräte hängt "in der Luft", so Siemens Österreich-Generaldirektor Albert Hochleitner. Deshalb hat er sich jetzt für eine Sanierung der defizitären Handysparte ausgesprochen: "Wir brauchen Handys." Die Probleme im Handygeschäft, wo aktuell eine Million Euro Verlust pro Tag gemacht wird, seien "lösbar", die Sparte müsse ähnlich früheren Problembereichen des Konzerns - wie etwa der Medizin- oder Automatisierungstechnik - saniert werden.

Siemens komme ohne eigene Handysparte nicht durch, so Hochleitner. Der Konzern habe sich dazu entschlossen, "nicht mit Markenwerbungen für Kühlschränke", sondern mit entsprechenden anderen Produkten ins 21. Jahrhundert zu gehen, daher müsse die Handysparte saniert werden. Er würde es "bedauern, wenn wir hier nicht weiterkommen", so Hochleitner.

Zur aktuellen Diskussion in Österreich über die Arbeitszeitflexibilisierung meinte Hochleitner, Österreich brauche jedenfalls eine Flexibilisierung. Potenzial dafür gebe es in Branchenlösungen und "gescheiten Kollektivvertrags-Abschlüssen". Außerdem sei in Österreich im Gegensatz zu Deutschland "innerbetrieblich viel zu machen", diese "Beweglichkeit" gebe es bereits. Allerdings werde man das ohne die Mitarbeiter selbst nicht schaffen: "Wir dürfen nicht den Mitarbeitern etwas wegnehmen, sondern müssen diese motiviert mitnehmen."

Standort Österreich zu teuer
Mechanische und elektronische Fertigungen am zu teuren Standort Österreich weiter zu führen, sei auf Grund der Wettbewerbssituation "nur mühevoll", da auch künftig mit hohen Kosten zu rechnen sei, bemerkte Hochleitner. "Eine gewaltige Chance, wenn sie vernünftig genützt wird" gebe es für Österreich durch billigere Arbeitskräfte in den benachbarten neuen EU-Mitgliedssaaten, vor allem in den Bereichen Dienstleistungen und bei Technologieentwicklungen.

Für den CEE-Raum habe Siemens Österreich hehre Wachstumsprognosen, hier wolle man jährlich ein Prozent mehr Marktanteil gewinnen, betonte Hochleitner. Beim dortigen Elektronikmarkt von in Summe 16 Mrd. Euro entspreche dies 160 Mio. Euro pro Jahr. Dies gelinge nur, wenn Siemens schneller als der Markt wachse. Im CEE-Raum versuche Siemens zunehmend thematische Schwerpunkte in den einzelnen Ländern zu bilden. So habe man den Energiebereich in Kroatien zentriert, die Bahnsicherungstechnik in Slowenien.

Geschäftsvolumen und Wertschöpfung ausgewogen
Das Verhältnis zwischen Geschäftsvolumen und Wertschöpfung sei bei Siemens Österreich - im Gegensatz zu Deutschland - mit je vier Prozent sehr ausgewogen, berichtete Hochleitner. In Deutschland hingegen würden 23 Prozent des Geschäfts gemacht, dort seien aber 38 Prozent der Siemens-Mitarbeiter beschäftigt. Der Marktanteil von 17 bis 20 Prozent von Siemens Österreich sei - mit Ausnahme vom kleinen Land Bosnien - der höchste Wert von allen Siemens-Landesgesellschaften. (apa/red)

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7.3.2005 14:03