Mittwoch, 9. März 2005

Verehrt und geschlagen

  • Elfriede Jelinek 6 Monate nach dem Preis

Das Irak-Stück: „Babel“, die Anklage gegen Bush, Krieg und Folter, ab 18. 3. im Akademietheater: dritte Uraufführung in vier Wochen.
Das Interview: Ein halbes Jahr pausenlosen Trubels, die Flucht nach München. Das Interview über Krieg, Sprache und Widerstand.

Zwei Meldungsblöcke, erfasst und gebündelt vom Nachrichtendienst der Suchmaschine Google an einem Tag. Der eine ging unter: Die Universität Jerusalem hat der österreichischen Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek ein Symposium gewidmet. „Die Kritik am Nationalsozialismus“, so die Würdigung der Veranstalter, „gehört uns. Es ist an uns, die Geschichte der Opfer zu schreiben. Das Opfer ist immer jüdisch wie die Erinnerungskultur.“

Dicke Häme. Am selben Tag erschienen – daheim freudvoll landauf, landab apportiert – die Kritiken zur jüngsten Premiere an Claus Peymanns Berliner Ensemble. Elfriede Jelinek hat ihrem Klassiker „Wolken.Heim“ aus dem Jahr 1988 einen Schluss zur aktuellen deutschen Katastrophe hinzugefügt. „Und dann nach Hause“ (siehe Peymann-Interview auf der übernächsten Seite und Kritiken-Seite) thematisiert den neuen Fresskapitalismus und hätte zu den Schreckensmeldungen von Rekordarbeitslosigkeit und Massenverarmung präziser nicht kommen können. „Quark“ sei das, diagnostiziert die „FAZ“, „äußerst dürftig“ die „Frankfurter Rundschau“, „auffallend flach und oberflächlich“ die „Berliner Morgenpost“. Ein „Desaster“, rülpste noch ein mangelhaft Artikulationsfähiger per „Welt am Sonntag“ hinterher.

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PLUS: „Der Widerstand stirbt einen stillen Hungertod“ - Elfriede Jelinek im Interview über „Babel“, Irak und Protest

9.3.2005 16:51