Montag, 14. März 2005

Mega-Deal im Anflug: Übernahme der Swiss durch die Lufthansa wird konkret!

  • Großaktionäre entscheiden jetzt über den Mega-Deal
  • Marke Swiss soll allerdings weiter erhalten bleiben

Die Marktkonsolidierung in der europäischen Luftfahrtbranche schreitet weiter voran. Mit der angepeilten Übernahme der angeschlagenen Schweizer Fluggesellschaft Swiss will sich die Deutsche Lufthansa für den immer härter werdenden Konkurrenzkampf rüsten. Ein bereits vorliegendes Gesamtkonzept soll nun möglichst rasch von den Aufsichtsgremien und den Großaktionären der Swiss - darunter die Schweizer Regierung und Großbanken - gebilligt werden. Die EU-Kommission hat heute grundsätzlich Zustimmung für den Deal signalisiert. Die österreichische Airlinegruppe AUA hat ihre ursprünglichen Vorbehalte offenbar abgelegt und die Übernahme als "Wertbeitrag" für das Luftfahrtbündnis Star Alliance gewertet.

Das Konzept sieht vor, dass Swiss weitgehend eigenständig als Schweizer Fluggesellschaft unter dem bisherigen Namen weiterfliegen kann. Zürich soll als internationales Drehkreuz neben den beiden bestehenden Lufthansa-Drehkreuzen in Frankfurt und München erhalten werden.

Die Übernahme soll nach Informationen aus verhandlungsnahen Kreisen übergangsweise mit Hilfe einer Zwischenholding gestaltet werden. Dabei soll die Mehrheit an der Zwischenholding zunächst in Schweizer Hand bleiben. Ein ähnliches Modell hatten auch die Fluggesellschaften Air France und KLM für ihren Zusammenschluss gewählt. Die Konstruktion ist notwendig, um die Verkehrsrechte der Swiss, die jeweils zwischen dem Heimatland Schweiz und den Ländern der Zielflughäfen bestehen, nicht zu gefährden. Bei einer sofortigen vollständigen Kontrolle der Swiss durch Lufthansa würden nach den internationalen Verkehrsregelungen die Start- und Landerechte der Schweizer Fluglinie verloren gehen.

Um künftig alleiniger Eigner der Swiss zu werden, wolle Lufthansa deren Verkehrsrechte zügig nach und nach übernehmen und entsprechend neu aushandeln, hieß es aus den Kreisen weiter. Ein genauer Zeitplan stehe dafür noch nicht fest. Die Neuordnung und Zusammenführung der Flugpläne von Swiss und Lufthansa werde davon unabhängig nach bisherigen Plänen für den Herbst und damit den Winterflugplan 2005/2006 angestrebt. Beide Fluglinien hatten am Sonntag die Übernahmepläne angekündigt.

Den Swiss-Großaktionären wie etwa den Großbanken UBS und Credit Suisse will die Lufthansa laut verhandlungsnahen Kreisen nur einen symbolischen Preis zahlen, dafür aber keine Aufstockung des Eigenkapitals der finanziell angeschlagen Fluglinie mehr verlangen. Lediglich die Kleinaktionäre mit zusammen 14 Prozent der Aktien sollen den gesetzlich vorgeschriebenen Preis erhalten, der sich aus dem Durchschnittsaktienkurs der 30 Tage vor der offiziellen Anmeldung der Transaktion errechnet.

Die AUA zieht heutigen Angaben zufolge eine Übernahme der Swiss durch einen Partner gegenüber einer Übernahme durch Konkurrenten aus einer anderen globalen Luftfahrt-Allianz eindeutig vor. Swiss werde mit ihrem Heimmarkt damit zum Regionalpartner der Lufthansa. Die AUA gehe davon aus, dass sich die gute Partnerschaft mit der Lufthansa in der Star Alliance und im Nachbarschaftsverkehr zwischen Österreich und Deutschland künftig auch auf die Swiss unter der Führung der Lufthansa erstrecken werde, betonte die AUA. (apa/red)

14.3.2005 16:06