Montag, 14. März 2005

FORMAT: Bord- gegen Bodenpersonal - Spaltung der Belegschaft bei Austrian droht

  • Betriebsratsobmann: "Piloten spielen ihr eigenes Spiel"
  • PLUS: Kuriose Forderungen der Pilotengewerkschaft

Zwei Dockingstationen für Laptops im Betriebsratsbüro, Kälteschutzvorhänge vor Kühlschränken im Flieger oder vom Dollarkurs abhängige Essensgutscheine für Nordamerika: Einige befremdliche Forderungen finden sich in dem 68 Punkte umfassenden Katalog, den die Austrian-Piloten dem Vorstand übergaben und der auch FORMAT vorliegt.

Der Clinch zwischen Bordbelegschaft und AUA-Spitze ist nichts Neues. Erst vergangene Woche wurde wieder mit Streik gedroht. Erstmals kommt aber auch massive Kritik vom Bodenpersonal der Austrian an den Kollegen der fliegenden Zunft. Betriebsratsobmann Alfred Junghans ärgert sich: "Meine Leute haben die Piloten-ist-nichts-verboten-Mentalität satt. Viele der Forderungen sind einfach lächerlich. Ich wäre glücklich, wenn ich nur solche Punkte zu verhandeln hätte." Nachsatz: "Vor 40 Jahren hat jede Airline ihre Piloten herumgetragen wie die Chefchirurgen und Primarärzte. Seit damals genießen sie viele Sonderrechte."

Zwischen den rund 3.500 Bodenmitarbeitern und den 2.900 Piloten sowie Flugbegleitern kündigt sich ein offener Konflikt an. Junghans: "Wir haben uns bisher strikt neutral verhalten, können das aber nicht mehr mittragen. Die Piloten spielen ihr eigenes Spiel und schaden dem Unternehmen." Laut eigenen Aussagen hat sich Junghans der Unterstützung des GPA-Chefs Wolfgang Katzian versichert.

Bord-Betriebsrat Karl Minhard schießt scharf zurück: "Der Herr Junghans geht mir schon auf den Wecker. Der sitzt beim Vorstand auf dem Schoß und war schon bei den letzten Streiks gegen uns."

In Bezug auf die angekündigte Streichung von 100 Jobs in der AUA-Verwaltung ätzt Minhard: "Die dortigen Belegschaftsvertreter wehren sich halt nicht, wir schon. Vielleicht sind sie auf unsere Erfolge eifersüchtig." Der ohnehin in Turbulenzen fliegenden Airline droht nun auch noch eine Spaltung innerhalb des Personals.

Kein Streik wegen Laptop-Anschlüssen. Betriebsrat Minhard betont, dass "keine Zusatzforderungen zum ausverhandelten Kollektivvertrag erhoben werden, nur dessen korrekte Anwendung, die der Vorstand verweigert". Es gehe um Arbeits- und Ruhezeiten. "Wegen der Laptop-Anschlüsse werden wir nicht streiken."

In dem Katalog findet sich unter anderem der Wunsch nach einem zusätzlichen Piloten und mehreren Flugbegleitern für Langstreckenflüge auf Boeing-Jets, nach neuen Schlafmöglichkeiten in der Boeing 767, weiters nach drei freien Tagen, die einer Langstreckenrotation folgen, oder nach mindestens viermal 62 Stunden dienstfreier Zeit pro Monat.

Austrian-Konzernsprecher Johannes Davoras weist die Darstellung zurück, dass Vereinbarungen nicht eingehalten werden, und spricht von einigen im Anhang des Kollektiv-vertrags offenen Details: "Diese junktimieren die Personalvertreter mit aufgebauschten Zusatzwünschen, was die finale Umsetzung des KVs bislang verhindert hat."

Einer der brisanten Streitpunkte, um die es in Wahrheit geht: Die Piloten wollen, dass für die Crews der Fokker-70- und Fokker-100-Jets der Tochter Tyrolean (Marke: Austrian Arrows) ebenfalls der günstigere AUA-KV gilt, weil diese Geräte in ihren Augen keine Regionalflugzeuge sind. In diesem Punkt wird AUA-Boss Vagn Soerensen aber wohl keinesfalls nachgeben.

Bei der Auseinandersetzung, ob nur Eltern und Kinder oder auch Bruder und Schwester als Verwandte gelten und damit gratis im Cockpit mitfliegen dürfen, wird eher eine Einigung zu erzielen sein.

Die gesamte Story lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von FORMAT!

14.3.2005 07:10