Freitag, 11. März 2005

Porr-Chef Pöchhacker über EM-Stadion in Klagenfurt: "Keine große Freude mit uns"

  • Horst Pöchhacker spricht im FORMAT-Interview Klartext

Porr-General Horst Pöchhacker über die Wickel beim Kärntner Stadionauftrag und den Preisdruck in der Baubranche.

FORMAT: Herr Pöchhacker, die Porr hat nun doch den Zuschlag in der umstrittenen Vergabe für das Fußballstadion in Klagenfurt erhalten. Für Sie ein Sieg der Gerechtigkeit?

Pöchhacker: Es war trotz aller Irritationen eine nüchterne Entscheidung der Vergabekommission. Unser Produkt vereint die Planung und die Ausführung des Stadions, was unüblich ist, aber sehr günstige Kosten zur Folge hat.

FORMAT: Sie lagen mit einem Offert über 59 Millionen Euro um viele Millionen vor dem Zweitplatzierten.

Pöchhacker: Wenn Sie Planung - hier ist Architekt Albert Wimmer unser Partner - und Bau zusammen machen, können Sie besser optimieren. Das erklärt den großen Abstand zum Zweiten.

FORMAT: Worauf kommt es denn bei so einer Sportarena hauptsächlich an?

Pöchhacker: Auf Hunderte Details. Das Wichtigste ist die ungetrübte Sicht aufs Spielfeld von jedem Platz aus und die Sicherheit: Wie schnell lässt sich das Stadion im Fall des Falles räumen?

FORMAT: Zusammen mit Architekt Wimmer gewann die Porr auch die Aufstockung des Innsbrucker und die Erweiterung des Salzburger Stadions. Sie haben also praktisch alle Aufträge für die Fußball-Europameisterschaft 2008 eingesackt. Hat das den Neid geschürt?

Pöchhacker: Es hat einige dazu veranlasst, zu sagen: "Na, derfen s' denn des?"

FORMAT: Es war demnach die Absicht, der Porr zu schaden, als die Angebote für Klagenfurt vorzeitig der Öffentlichkeit zugespielt wurden?

Pöchhacker: Fest steht, dass nicht alle eine große Freude mit uns hatten. Ich will aber jetzt nicht mehr ins Detail gehen ...

FORMAT: Sie wollen Konkurrenten wie die Strabag nicht öffentlich anschießen?

Pöchhacker: Ich will nicht Öl ins Feuer gießen. Es bringt überhaupt nichts, über Mitbewerber zu lamentieren.

FORMAT: Es gibt jetzt noch eine zweiwöchige Frist, bevor der Auftrag in Klagenfurt erteilt wird. Fürchten Sie Einsprüche der unterlegenen Anbieter?

Pöchhacker: Ausschließen können wir nichts. Ich weiß jedoch nicht, ob überhaupt eine Chance für einen erfolgreichen Einspruch besteht. Ich sehe keine große Wahrscheinlichkeit dafür. Problematisch wäre die möglicherweise aufschiebende Wirkung eines Einspruchs.

Lesen Sie im aktuellen FORMAT, ob Porr die unterlegenen Mitbewerber am Auftrag teilhaben lässt!

11.3.2005 09:44