Hat Stronach richtig gewettet? Magna Entertainment baut herbe Verluste
- FORMAT: Nach Marketingfehlern nun neue Konzepte
- Eine Hoffnung Stronachs sind Online-Pferdewetten
Frank Stronachs Pferderennbahn in Ebreichsdorf, das Magna Racino, startete an diesem Wochenende in die zweite Saison. Dem Magna Racino lacht die Sonne aber nur selten ins Gesicht.
Die Magna Entertainment Corp. (MEC), in der Pferdenarr Stronach seine Sportaktivitäten gebündelt hat, weist in ihrer eben veröffentlichten Bilanz 95,6 Millionen US-Dollar Nettoverlust aus (umgerechnet etwa 72 Millionen Euro), davon sind über 40 Millionen Dollar operatives Minus. Fast die Hälfte davon, nämlich 21 Millionen Dollar, steuert Ebreichsdorf bei. Von den angepeilten 500.000 Besuchern pro Jahr ist die nach amerikanischem Geschmack konzipierte, 80 Millionen Euro teure Trab- und Galopprennbahn weit entfernt.
Personalverschleiß bei Magna Racino
MEC-Oberboss Jim McAlpine sprach in einer Analysten-Konferenzschaltung vor wenigen Tagen davon, dass es nun zu "dramatischen Kostensenkungen" kommen müsse.
Die schwierige Lage spiegelt sich auch im Personalverschleiß wider. Der für Österreich und Europa zuständige MEC-Chef Bruno Schlintner verließ die Firma im Oktober 2004. Paul Leitenmüller, Marketingchef der MEC-Tochter Magna Racino, wurde kürzlich gefeuert. PR-Lady Ulla Weigerstorfer, die einstige Miss World, verabschiedete sich in die Karenz.
So richtig will niemand für den Geschäftszweig verantwortlich sein. Ex-FPÖ-Politiker Peter Westenthaler erklärt: "Ich lukriere Veranstaltungen, stelle Sponsoren auf und halte Kontakt zu wichtigen Gästen, sonst habe ich mit dem Racino wenig zu tun" - obwohl Westenthaler dort Prokurist ist. Magna-Konzernsprecher Andreas Rudas entschuldigt sich: "Wenn ich was zur MEC sage, fragt mich die amerikanische Börsenaufsicht, in welcher Funktion ich das tue. Dann werden gleich versteckte Quersubventionen aus dem Automotive-Konzern vermutet." Diese Debatte wird unter Aktionären des größten Autozulieferers der Welt, Magna, trotz Abtrennung der Entertainment-Sparte noch immer hitzig geführt.
Stronach hat schon 2,5 Milliarden Dollar ins Pferdegeschäft investiert. Die Pferde sind Chefsache. Und Frank Stronach ist wie bei seinem Engagement für den Fußballklub Austria Wien, den er sich an Europas Spitze träumt, vom Erfolg überzeugt. Der Neo-Schlossbesitzer am Wörthersee hat bereits 2,5 Milliarden Dollar in die MEC gesteckt. In Nordamerika besitzt er die 15 renommiertesten Rennbahnen. Von Ebreichsdorf aus will er jetzt unbeirrt Europa aufrollen. "In den ersten Jahren muss investiert werden, bevor sich viel verdienen lässt", kommentiert Stronach trocken die bescheidenen Zahlen.
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