Mittwoch, 9. März 2005

Champions League: Hitzige Diskussionen nach Chelseas 4:2 über den FC Barcelona

  • Terry-Tor, Rangelei und rassistische Äußerungen
  • Mailänder Defensivkünstler gegen ManU erfolgreich

Europas Fußball-Elite hat sich am Dienstag in den Achtelfinal-Rückspielen der Champions League in Torlaune gezeigt. Während der FC Chelsea in einer emotionsgeladenen Partie den FC Barcelona mit 4:2 (Gesamt 5:4) eliminierte, schoss sich Olympique Lyon in der trefferreichsten Partie der laufenden CL-Saison gegen Werder Bremen mit 7:2 (Gesamt 10:2) ins Viertelfinale. Einzig der AC Milan tanzte ein Mal mehr erfolgreich aus der Reihe. Die Mailänder behielten wie im Hinspiel gegen Manchester United dank eines Crespo-Tores nach der Pause mit 1:0 die Oberhand.

Das Spiel des Tages - von vielen im Vorfeld zum vorweggenommenen Finale hochstilisiert - sahen aber die 41.515 Zuschauer an der Londoner Stamford Bridge. "Ich bin froh, die von der Presse als bestes Team der Welt bezeichnete Mannschaft bezwungen zu haben", sagte Chelsea-Coach Mourinho nicht ohne Seitenhieb. Der Portugiese, der damit im ersten Jahr nach seinem Champions-League-Triumph mit dem FC Porto immer noch die Chance auf drei Titel hat, stürmte nach dem Schlusspfiff emotionsgeladen das Spielfeld.

Für Diskussionen sorgte aber nicht nur das umstrittene Siegestor von Chelsea-Kapitän John Terry, sondern auch eine Ranglerei nach Spielende, in die auch Barca-Star Ronaldinho verwickelt war. "Es hat eine Stoßerei und andere Vorfälle gegeben, die ich der UEFA in meinem Bericht mitteilen werde", bestätigte der österreichische UEFA-Delegierte Gerhard Kapl am Mittwoch gegenüber der APA. "Im Fall der Fälle wird eine Untersuchung eingeleitet", betonte Kapl, der sich aber sonst nicht näher äußern wollte.

Tor von John Terry: Carvalho mit Foul an Valdez
Schon im Hinspiel waren Barcelona-Coach Frank Rijkaard und Betreuer des englischen Tabellenführers in der Halbzeit aneinander geraten. Zudem soll ein Ordner Barca-Stürmer Samuel Eto'o rassistisch beschimpft haben. "Er hat mich einen Affen genannt. Ich habe es klar und deutlich verstanden", versicherte der Kameruner. Chelsea dementierte rassistische Äußerungen seines Personals noch am Mittwoch.

Mitentschieden wurde der Schlager aber ausgerechnet von Pierluigi Collina, der von Mourinho nach dem kontroversen Hinspiel von der UEFA angefordert worden war. Der italienische Star-Referee erkannte Terrys Kopftor (76.) an, obwohl der abseitsverdächtige Ricardo Carvalho Barca-Torhüter Valdez offensichtlich behindert hatte.

"In so engen Spielen wird es immer Diskussionen geben. Die Spieler haben gesagt, es war ein Foul. Ich habe es nicht gesehen", schwächte Rijkaard, der den Hauptgrund für die Niederlage in den "vielen individuellen Fehlern" sah, ab. Den drei Chelsea-Toren in den ersten 20 Minuten waren allesamt "unnötige Abspielfehler im Mittelfeld" vorausgegangen.

Crespo der umjubelte Held - Nasenbeinbruch bei GIggs?
Währenddessen jubelte Milan über "Crespo United" (La Gazzetta dello Sport). Der Argentinier, der mit Chelsea bis Sommer von einem der größten Rivalen im Kampf um den Titel in der Königsklasse ausgeliehen ist, verwertete eine Cafu-Flanke per Kopf. Trainer Carlo Ancelotti hob hingegen die "perfekte Defensivleistung" seines Teams hervor: "Wir haben hinten nichts riskiert, das war großartig."

Auch ManU-Manager Alex Ferguson zollte dem italienischen Meister Tribut: "Sie haben das gewisse Etwas, mit dem sie das Ganze gewinnen können. Heute hat ihre Erfahrung den Unterschied gemacht." Mit Giggs, Keane und Scholes standen nur drei United-Spieler vom Triumph von 1999 im Aufgebot der Engländer.

Ryan Giggs hat sich in der Partie verletzt. Der Schlüsselspieler von Österreichs nächstem WM-Qualifikationsgegner Wales musste in der 60. Minute mit einer blutigen Nase und Verdacht auf Nasenbeinbruch ausgetauscht und durch Quinton Fortune ersetzt werden. Genauere Untersuchungen sollten noch am Mittwoch Aufschluss über den Grad der Verletzung geben.

Neun Treffer: Höchstes K.o.-Ergebnis der Champions League in Lyon
In Lyon wurden die 38.922 Besucher Zeugen des höchsten K.o.-Ergebnisses seit Einführung der Champions League. Einzig Vorjahrs-Finalist AS Monaco hatte Deportivo La Coruna mit 8:3 in der Gruppenphase mit mehr Toren abserviert. "Wir haben uns bis auf die Knochen blamiert", sagte der deutsche Teamspieler Fabian Ernst. Lyon etablierte sich hingegen nach drei französischen Meistertiteln in Serie mit dem höchsten Europacup-Sieg der Vereinsgeschichte auch in Europas Spitze, hat mit 27 Toren in acht Spielen die meisten Saisontreffer in der Königsklasse erzielt. (apa)

9.3.2005 14:09