Samstag, 12. März 2005

Dramatik pur: Letzte Läuferin entscheidet den Weltcup zu Gunsten von Anja Pärson!

  • Schwedin in Gesamtwertung drei Punkte vor Kostelic
  • Sieg im RTL an Rienda-Contreras, Hosp wird Dritte

Die Entscheidung um den Gesamtweltcup der Damen hat sich zu einem unfassbaren Herzschlagfinale entwickelt. Als im Riesentorlauf am Sonntag in Lenzerheide nur noch nur eine Läuferin oben stand, lautete die Formel: Platziert sich die Halbzeitführende Maria Jose Rienda Contreras vor Janica Kostelic, gehört Anja Pärson die große Kristallkugel. Die Spanierin siegte und die Schwedin nahm nach dem Gefühlssturm, der sie in diesen Minuten voll erfasst hatte, die Umarmungen und Bussis der großen Kontrahentin noch ein wenig ungläubig zur Kenntnis.

Im Tagesrennen wurde Nicole Hosp hinter Tanja Poutiainen Dritte. Nach der Slalom- holte sich die Finnin auch noch die RTL-Kugel. Aber das wird Pärson verschmerzen.

An Dramatik war dieses letzte Saisonrennen bei Bilderbuchwetter nicht zu überbieten. Pärson hatte nach dem Slalom am Samstag 35 Punkte Vorsprung auf Kostelic. Nach dem ersten "Riesen"-Durchgang lag die Schwedin an fünfter Stelle, die Kroatin war nur 16 Hundertstelsekunden zurück Sechste. Im Finale musste Kostelic dann vorlegen, als im Ziel nur der Vierer aufleuchtete, schien die Entscheidung zu Gunsten der Skandinavierin gefallen. Doch Pärson zeigte Nerven, verbremste den Lauf völlig, kam nur auf den 13. Zwischenrang und starrte lange fassungslos auf die Anzeigentafel, ehe sie den Zielraum verließ und sofort von Kostelic in die Arme genommen wurde.

Damit lag der Gesamtweltcup nicht mehr in Anjas Händen. De facto hieß dass, dass die vier Läuferinnen, die noch oben standen, sich vor Kostelic einreihen mussten, damit Pärson doch noch als Skikönigin gekrönt werden konnte und durfte. Seite an Seite, Janicas Arm um Anjas Schulter gelegt, verfolgten die beiden Dominatorinnen des Winters den Ausgang des Rennens.

Drei Punkte machen den Unterschied
Am Ende entschieden drei Punkte. Anja Pärson 1.359 Punkte, Janica Kostelic 1.356 hieß es in der Endwertung. Denn Pärson hatte beim Saisonfinale als 17. nicht mehr gepunktet, Kostelic als Achte aber "nur" 32 Zähler bekommen. Wäre die dreifache Weltmeisterin von Santa Caterina Siebente geworden, hätte sie die Trophäe mit einem Punkt Vorsprung zum dritten Mal gewonnen. Drei Punkte Vorsprung, das hatte es im Damen-Weltcup bis dahin nur 1978/790 gegeben, als Annemarie Moser Pröll ebenfalls drei Zähler vor Hanni Wenzel die Gesamtwertung gewann. Damals gab es aber Zähler nur für die Top-15 und für den Sieg nur 25 Punkte.

Bei all der Spannung, die im Zielraum aber nur die Insider mitbekamen (der Stadionsprecher erwähnte es erst, als alles vorbei war), gingen die Podestfahrerinnen des Tages unter. Poutiainen holte sich mit Platz zwei die Weltcup-Disziplinenwertung, Hosp legte nach dem dritten Platz im Slalom am Vortag nach. Mit Elisabeth Görgl als Vierter und Renate Götschl als Fünfter sorgten die ÖSV-Damen für das zweitbeste Riesentorlauf-Ergebnis des Winters nach Semmering (Schild Erste, Görgl Dritte).

"Es war eine verkorkste Saison"
Götschl verdrängte Michaela Dorfmeister noch von Platz drei im Gesamtweltcup und bewies erneut, dass die Routiniers im ÖSV-Damenteam weiterhin die Fahnen hoch halten. Bis auf ihre Verletzungs-Saison (7.) hat die Steirerin in den vergangenen sieben Wintern die Gesamtwertung stets in den Top-Drei beendet, 1999/2000 auch gewonnen.

"Es war eine verkorkste Saison, aber Ende gut, alles gut. Ich bin noch immer fit, schade, dass die Saison jetzt schon vorbei ist", freute sich Hosp nach dem finalen Wochenende. Auch Görgl war "vollauf zufrieden, denn heute war es wirklich sehr schwierig zu fahren." Kathrin Zettel machte als Elfte auch noch Punkte. Die Sensations-Super-G-Zweite Marlies Schild kam bereits im ersten Lauf nicht ins Ziel und verzeichnete in den technischen Disziplinen einen Doppelausfall. Alexandra Meissnitzer schied ebenfalls im ersten Durchgang aus.

Mit dem Ausklang vollauf zufrieden war ÖSV-Alpinchef Hans Pum: "Das ist ein sehr schöner Abschluss einer schönen Saison. Das ganze Finale war extrem spannend." Und Damen-Cheftrainer Herbert Mandl versprach für den nächsten Winter: "Ich bin zuversichtlich, das es weiter aufwärts geht."

Endergebnis
1.Maria-J. R.-ContrerasESP2:20,18 Min.
2.Tanja PoutiainenFIN+0,30 Sek.
3.Nicole HospAUT+0,51
4.Elisabeth GörglAUT+0,58
5.Renate GötschlAUT+1,10
6.Genevieve SimardCAN+1,21
7.Martina ErtlGER+1,23
8.Janica KostelicCRO+1,32
9.Julia MancusoUSA+1,83
10.Ingrid JacquemodFRA+1,90
11.Kathrin ZettelAUT+1,94
12.Tina MazeSLO+2,05
13.Nadia FanchiniITA+2,18
14.Gail KellyCAN+2,33
14.Karen PutzerITA+2,33
16.Michaela KirchgasserAUT+2,35
17.Anja PärsonSWE+2,39
18.Anna OttossonSWE+2,59
19.Eveline RohreggerAUT+2,61
20.Allison ForsythCAN+2,73
21.Kristina KoznickUSA+2,99
22.Michaela DorfmeisterAUT+3,12
23.Nicole GiusITA+3,23
24.Sonja NefSUI+3,37
25.Manuela MoelggITA+4,46

Ausgeschieden im 1. Durchgang u.a.: Alexandra Meissnitzer (AUT), Marlies Schild (AUT), Sarah Schleper (USA)
Zum 2. Lauf nicht mehr angetreten: Lindsey Kildow (USA)

12.3.2005 21:37