ÖSV-Herren bleiben Ski-Macht: Hälfte aller Siege und Stockerlplätze ging an Österreich
- Herren-Chef Giger: "War für uns eine 50 %-Saison"
Die ÖSV-Herren waren mannschaftlich gesehen auch im WM-Winter 2004/2005 das Maß aller Dinge. Der Gesamt-Weltcup ging zwar an den US-Amerikaner Bode Miller, ansonsten war Rot-Weiß-Rot aber einmal mehr die Modefarbe. Im Weltcup gingen 19 der 36 Bewerbssiege (= 52,8 Prozent) und 54 der 109 Stockerlplätze (= 49,5 Prozent) an Österreich, bei der WM 2005 in Bormio räumten die ÖSV-ler acht der 15 WM-Medaillen ab (=53,3 Prozent).
"Man kann sagen, das war für uns die 50-Prozent-Saison. Das ist eine unglaubliche Bilanz. Wir sind stärker, als der Rest der Herren-Teams zusammen", gab sich Herrenchef Toni Giger nach dem Finale in Lenzerheide hoch zufrieden. Die USA etablierten sich zwar insgesamt und bei beiden Geschlechtern erstmals als zweitbeste Ski-Nation, angesichts der 5.381 Zähler Rückstand in der Herren-Wertung auf die Giger-Truppe stellte Österreichs Herren-Boss aber fest: "Wir haben unsere Dominanz gehalten."
Und das, obwohl es im vergangenen Sommer dutzende Materialwechsel und vor allem etliche Rücktritte (u.a. Stephan Eberharter) gegeben hat. Die Große Kristallkugel wanderte jedoch diesmal zum ersten Mal seit 1999 (Lasse Kjus/NOR) nicht an die österreichischen Herren, sondern an das US-Team.
Nächste Saison soll die Große Kugel wieder nach Österreich
So wie der Rest des ÖSV-Teams zog auch der Salzburger den Hut vor Bode Miller. "Er war besser, das müssen wir akzeptieren. Bode hat sich beim Finale verdient durchgesetzt. Wir haben aber mit Benni Raich heftig und bis zum Schluss dagegen halten können. Diese beiden Athleten haben das Geschehen in dieser Saison geprägt: Miller gewann den Gesamt-Weltcup, Raich war der erfolgreichste WM-Teilnehmer."
Kommende Saison, im Olympia-Winter 2005/2006, soll der "Pott" wieder nach Österreich wandern. "Natürlich wollen wir, dass die Große Kugel nach Österreich kommt, das muss ein erklärtes Ziel sein. Das ist ein großer Ansporn für uns. Bode zu schlagen, wird eine gewaltige Herausforderung für uns", so Giger.
Gesamtsiege wurden zu Winterbeginn verspielt
Bei einem Blick zurück in den vergangenen Sommer denkt Giger alles andere als glücklich an die etlichen Materialwechsel in seiner Truppe zurück. "Das war zu viel, das hat mir nicht gepasst." Damit ist auch der nicht zuletzt auf Grund der großen Miller-Festspiele etwas durchwachsene Beginn der Saison zu erklären. "Allerdings hatten wir dann eine zweite Saisonhälfte, wie wohl noch nie zuvor in der Geschichte."
Ähnlich lief auch die WM in Bormio ab, die im Endeffekt mit der erfolgreichsten Herren-Bilanz seit 1958 endete. "Und das trotz eines schaumgebremsten Starts in den Speed-Bewerben. Aber wenn es dann doch noch klappt, dann freut man sich noch viel mehr." Am Ende hatte man mit drei Mal Gold, drei Mal Silber und zwei Mal Bronze acht Medaillen um den Hals hängen.
Walchhofer würdiger Nachfolger von Eberharter
Ebenfalls Riesenfreude hatte Giger mit den Abfahrtsleistungen von Michael Walchhofer, der Salzburger holte erstmals in seiner Karriere den Abfahrts-Weltcup. "Der Abfahrts-Thron war vakant, nach Maier und Eberharter sitzt aber nun mit Walchhofer neuerlich ein Österreicher darauf. Er hat sich mit eindrucksvollsten Leistungen in Szene gesetzt."
Giger und Co. wollen das Allrounderwesen mannschaftsintern weiterhin voran treiben. Mit gutem Grund, denn in der kommenden Saison stehen bei 19 technischen Bewerben und 16 Speed-Rennen gleich vier Kombinationen auf dem Programm. Ein womöglich entscheidender Faktor im Kampf um die Große Kugel.
Herren-Coach Giger: "Das Herz schlägt für Österreich"
Läuft alles nach Plan, dann wird Giger seinen auslaufenden Vertrag als Herrenchef in nächster Zukunft verlängern. Gerüchte um einen möglichen Wechsel zu den Norwegern wischte er vom Tisch: "Offen gesagt verdient man in unserem Job keine Millionen. Wir sind keine Fußball-Trainer. Und wenn man schon 240 bis 250 Tage pro Jahr unterwegs ist, dann soll man es mit dem Herzen tun. Und wenn ich etwas mit dem Herzen tue, dann für Österreich." (apa/red)
