Freitag, 11. März 2005

Kampf um Gesamt-WC in Lenzerheide: Raich fühlt sich in Rolle des Jägers wohl

  • "Was jetzt noch passiert, ist nur noch Draufgabe"
  • Miller und Raich schieben einander Favoritenrolle zu

Gesamt-Weltcup-Leader Bode Miller und Verfolger Benjamin Raich schieben einander beim Weltcup-Finale in Lenzerheide die Favoritenrolle zu wie den berühmten "Schwarzen Peter". Für beide steht fest, dass der jeweils andere Favorit ist. Fakt ist, dass der US-Amerikaner vor der für Donnerstag geplanten Abfahrt 52 Punkte Vorsprung auf den Tiroler aufweist. "Der Favorit heißt deshalb Bode Miller, das meine ich genau so. Wenn alles normal läuft, hat er die besseren Karten", erklärte Raich in der verschneiten Schweiz.

Der 27-Jährige will im Finale noch einmal alles in die Waagschale werfen, sieht sich aber keinesfalls unter Zugzwang. "Ich habe heuer schon sehr viel erreicht. Was jetzt noch passiert, ist nur noch Draufgabe. Was geht, das geht", betont Raich, der bei der WM in Bormio gleich fünf Medaillen abgeräumt hat. Dass Raich nicht der Gejagte, sondern der Jäger ist, "ist sicher nicht unbedingt ein Nachteil".

Dass Miller Raich als Weltcup-Favoriten bezeichnet, sieht der ÖSV-Allrounder so: "Diese taktischen Spielchen kennt man ja schon." Der bereits feststehende Slalom-Weltcup-Sieger ruft überhaupt zu mehr Nüchternheit und Sachlichkeit auf. "Man muss alles ein bisschen relativieren. Auch die ganzen Geschichten über Bode, da habe ich so meine Zweifel. Was seine Professionalität betrifft, sollte man ihn nicht unterschätzen."

Angesichts von Schneefall und Nebel in Lenzerheide scheint der ersatzlose Ausfall der beiden Speed-Rennen nicht unwahrscheinlich - da Miller amtierender Weltmeister in Abfahrt und Super G ist, wäre das für den Pitztaler mit Sicherheit kein Nachteil. "Davon gehe ich aber nichts aus. Wäre ich ein Politiker, würde ich sagen: 'Diese Frage stellt sich für mich nicht.'"

"Schlag-auf-Schlag-Programm" ist für "Benni" kein Problem
Vielmehr konzentriert sich Raich voll und ganz auf vier Rennen in vier Tagen. "Man wird sehen, ob es körperliche oder mentale Probleme gibt. Aber dieses Schlag-auf-Schlag-Programm kann man trainieren, das ist für mich kein Problem", sagt Raich, den nach dem bisher absolvierten Monsterprogramm im WM-Winter nichts mehr aus der Fassung bringen kann.

Auch wenn Raich gesteht, dass er langsam, aber sicher das Saisonende herbeisehnt. "Ich fahre eigentlich immer bis zum letzten Rennen gerne. Aber wenn die Saison dann aus ist und der ganze Druck abfällt, dann sieht man erst, wie sehr man unter Stress gestanden ist. Das ist schon befreiend." Ob Gesamt-Weltcup-Sieg oder nicht: richtig gefeiert wird am 18. März, da steht nämlich der große Benni-Raich-Empfang im Tiroler Örtchen Arzl auf dem Programm.

(apa/red)

11.3.2005 08:43