Samstag, 12. März 2005

Nach Morddrohungen: Schiedsrichter Anders Frisk beendet seine Karriere!

  • Der Schwede fürchtet offenbar um seine Sicherheit
  • Drohungen von Chelsea-Fans seit Spiel in Barcelona

Der schwedische Fußball-Schiedsrichter Anders Frisk hat seine Referee-Tätigkeit auf Grund von massiven Morddrohungen mit sofortiger Wirkung eingestellt. "Ich werde nie wieder einen Fußballplatz betreten", sagte der 42-Jährige am Samstag der Zeitung "Aftonbladet". Frisk, neben dem Deutschen Markus Merk und dem Italiener Pierluigi Collina weltweit einer der Top-Schiedsrichter, begründete seinen völlig überraschenden Schritt mit einer Welle von Drohungen seit dem Hinspiel im Achtelfinale der Champions League zwischen dem FC Barcelona und Chelsea (2:1) Ende Februar.

"Ich habe meine Tochter aus Angst den Briefkasten nicht mehr öffnen lassen", betonte Frisk, bei dem nach eigenen Angaben zahlreiche Morddrohungen von Chelsea-Anhängern per Telefon, Post und Mail eingegangen sind. Unmittelbar nach dem Spiel in Barcelona, bei dem Frisk dem Chelsea-Stürmer Didier Drogba eine umstrittene Gelb-Rote Karte gezeigt hatte, wurde ihm vom Trainer der Londoner, Jose Mourinho, vorgeworfen, dass er den "Barca"-Coach Frank Riikjard während der Pause in der Kabine empfangen hatte.

Auch der Viertelfinal-Einzug Chelseas nach dem 4:2-Sieg im Rückspiel habe die Bedrohungen nicht weniger werden lassen. "Es ist mit jedem Tag weiter eskaliert und bis jetzt immer schlimmer geworden", erklärte der FIFA-Referee. Sprecher des schwedischen Fußballverbandes äußerten sich gegenüber Chelsea-Verantwortlichen kritisch, weil sie Spieler und Fans gegen den Schiedsrichter "aufgehetzt" hätten.

Frisk war bereits im September beim Champions-League-Gruppenspiel zwischen AS Roma und Dynamo Kiew im Mittelpunkt gestanden, als er beim Gang in die Kabine in der Halbzeit von einer Münze getroffen worden war und eine stark blutende Platzwunde davongetragen hatte. Das Spiel wurde daraufhin abgebrochen und mit 3:0 für Kiew strafverifiziert. Außerdem musste Roma die kommenden beiden Matches unter Ausschluss des Publikums im Olympiastadion austragen.

"Ich bin Dingen ausgesetzt worden, die für mich früher unvorstellbar waren", begründete Frisk seinen Rücktritt. "Jetzt hoffe ich, dass diese Leute damit aufhören, wenn sie wissen, dass ich nicht mehr pfeife." Die Vorwürfe von Mourinho wegen seiner angeblichen Kontakte mit Riikjard würden ihm "nach so vielen Jahren im internationalen Fußball besonders wehtun". "Ich bin doch so erfahren. Alle müssten eigentlich wissen, dass ich während eines Spiels niemals einen Trainer in meine Kabine lasse." Die Gelb-Rote Karte sehe er zudem nach wie vor als korrekt an.

(apa/red)

12.3.2005 13:49