Montag, 7. März 2005

Biathlon: ÖSV-Cheftrainer Walter Mayer gesteht Fehler in der WM-Vorbereitung ein

  • Die läuferische Topform fehlt um vorne dabei zu sein
  • Ausnahme Wolfgang Rottmann als Medaillenhoffnung

Keiner unter den besten 20, nur drei Platzierungen in den Punkterängen. Für Walter Mayer, den ÖSV-Cheftrainer für Langlauf und Biathlon, gab es angesichts der enttäuschenden Ergebnisse nach dem ersten Wochenende der Biathlon-Heim-WM in Hochfilzen nichts zu beschönigen. Der Ex-Weltmeister-Coach der Langlauf-Staffel gestand Fehler in der Vorbereitung ein, hinterfragte aber auch die richtige Trainingseinstellung manches Athleten.

Mayers Kritik setzt bei den mäßigen Laufleistungen der ÖSV-Athleten an. Nur Rottmann sei läuferisch Spitze, die anderen lägen weit zurück. "Realistisch betrachtet ist außer Wolfgang Rottmann keiner so gut drauf, dass er mit einem Nuller im Schießen vorne hineinlaufen kann", erklärte Mayer. Der Versuch, auf hohen Trainingsumfang zu verzichten und damit die Schießqualität zu erhöhen, sei misslungen, sagte der Salzburger. Rottmann, der am Sonntag in der Verfolgung die siebentbeste Zeit (gemessen ohne den Rückstand vom Sprint) erreichte, hatte mit seinem Coach Alfred Eder nicht nach diesem von Schießtrainer Klaus Siebert forcierten System trainiert.

Der Abstieg in der läuferischen Qualität wird durch bestimmte Parameter (Sauerstoff-Aufnahme etc.) bewiesen, schon bei Tests im Sommertraining sei manch einer der ÖSV-Biathleten weit von seinen Bestwerten entfernt gewesen, sagt Mayer. Christoph Sumann, als Beispiel genannt, sucht keine Ausreden. Der Steirer, von Mayer mit Blickrichtung Heim-WM vom Langlauf zum Biathlon gebracht, war bei der WM 2001 in Lahti Neunter im Langlauf-Sprint geworden und hatte im gleichen Jahr bei der Biathlon-WM-Premiere Rang zwölf belegt. Eine Saison später feierte er seinen ersten Weltcupsieg und war bei der WM 2003 drei Mal unter den Top Ten. Doch seither ging's bergab.

"Ich habe mich selbst zu sehr unter Druck gesetzt, Krankheiten kamen dazu, läuferisch ist es in den letzten Jahren immer schlechter geworden", erklärte Sumann. Für die kommende Olympia-Saison hat er Änderungen geplant, ins Detail wollte er während der laufenden WM aber nicht gehen. "Das ziehe ich durch, ich will alte Fehler vermeiden und alles tun, um aus dem Tal der Tränen herauszukommen."

Im Hinblick auf die weiteren WM-Bewerbe in Hochfilzen bleibt Mayer, der große Motivator, auch Realist. "Wenn man eine Medaille will, muss man konstant unter den Top Ten sein, doch bei uns waren vereinzelte Top-Ten-Ränge positive Ausreißer." Sein Fazit vor dem 20-km-Bewerb am Mittwoch (14:15 Uhr): "Wir müssen auf ein gutes Schießen von Rottmann hoffen, dann kann er ganz vorne sein."

7.3.2005 13:45