Mittwoch, 9. März 2005

Chance für FPÖ neu: Umfragen sehen
"größere Wählbarkeit" als bei alter Partei

  • Meinungsforscher Bachmayer: "Neun bis zehn Prozent"
  • MITSTIMMEN: Kann "FPÖ neu" Abwärtstrend stoppen?

Der Chef des Meinungsforschungsinstituts OGM, Wolfgang Bachmayer, attestiert einer neuen Partei unter Jörg Haider (F) "größere Wählbarkeit" als der bisherigen FPÖ. Einer am Montag durchgeführten OGM-Umfrage würden nämlich neun bis zehn Prozent der Befragten "ganz sicher" eine solche Partei wählen, sagte Bachmayer in der Nacht auf Mittwoch in der "ZiB 3". Dies seien ein bis zwei Prozent mehr als die FPÖ derzeit in den Umfragen erreiche.

Der Kärntner Landeshauptmann wolle offenbar eine "rechtsliberale Partei mit Reformanstrich" gründen, sagte Bachmayer. Der Meinungsforscher attestierte einer solchen Bewegung ein "größeres Wählerpotenzial" als den Freiheitlichen. Zugleich spielte er die Bedeutung des so genannten rechtsnationalen Flügels in der FPÖ herunter, der lediglich ein Potenzial von zwei bis drei Prozent der Stimmen habe. Die Rechtsnationalen seien aber "hochorganisiert" und deswegen innerhalb der FPÖ sehr einflussreich.

Bachmayer betonte jedoch, es sei derzeit "nicht absehbar, in welche Richtung die Neugründungsdiskussion geht". Es seien damit viele Probleme verbunden, an die noch gar nicht gedacht worden sei.

Sollten die Spannungen innerhalb der FPÖ zunehmen, seien Neuwahlen "vorprogrammiert". Die ÖVP und Bundeskanzler Wolfgang Schüssel würden die Vorgänge derzeit "scheinbar gelassen" verfolgen, in Wirklichkeit werde aber "scharf zugeschaut". Es sei möglich, dass die ÖVP nur nach einer passenden Gelegenheit für einen "Absprung" in Neuwahlen suche, ohne den Schwarzen Peter dafür zu bekommen, sagte Bachmayer. Schüssel wolle nämlich nicht, dass die österreichische EU-Ratspräsidentschaft im kommenden Jahr durch ständige Regierungskrisen beeinträchtigt werde.

Die OGM-Umfrage im Auftrag des ORF-"Report" (500 Telefoninterviews) hatte ergeben, dass neun Prozent eine neue Haider-Partei "ganz sicher" und zwölf Prozent sie "möglicherweise" wählen würden. 79 Prozent antworteten auf eine entsprechende Frage mit "eher nicht". Allerdings gaben 57 Prozent der Befragten an, sie glaubten nicht, dass eine solche Partei erfolgreicher wäre als die derzeitige FPÖ.
(apa/red)

9.3.2005 08:00