Nach Ausschluss ihrer Partei: Alessandra Mussolini in den Hungerstreik getreten
- Partei der Duce-Enkelin fälschte Wahl-Unterschriften
- Mussolini bestreitet Vorwürfe und spricht von Komplott
Alessandra Mussolini, die Enkelin des italienischen Diktators Benito Mussolini, ist wie angekündigt am Montag in den Hungerstreik getreten. Die Parlamentarierin will damit gegen den Ausschluss von den bevorstehenden Regionalwahlen in der mittelitalienischen Region Latium protestieren.
Ein italienisches Verwaltungsgericht hat entschieden, dass die rechtsgerichtete Partei Mussolinis - "Soziale Alternative" - ihre Wahlzulassung mit gefälschten Unterschriften angeblicher Anhänger erreicht habe. Insgesamt sollen in der Region rund um Rom über 900 Unterschriften gefälscht worden sein. Mussolini bestritt diese Vorwürfe heftig und sprach von einem Komplott ihrer Ex-Partei, der rechten Alleanza Nazionale (AN).
Die EU-Parlamentarierin verbrachte den Tag in einem Wohnwagen unweit das Gerichts, das bis am Freitag über ihren Berufungsantrag entscheiden muss. "Ich bin nervös und habe Magenschmerzen, ich muss aber weitermachen", sagte die 41-Jährige im Gespräch mit Journalisten.
Mussolini strebt bei der Wahl am 3. und 4. April das Gouverneursamt in Lazio an. Ihre Kandidatur ist aber nicht möglich, sollte es bei dem Ausschluss ihrer Partei bleiben.
Mussolini hatte 2003 die Alternativa sociale gegründet, an der sich auch die rechtsextremistischen Gruppen Forza Nuova und Fronte Sociale Nazionale beteiligen. Die Forza Nuova hatte im "Sanktionsjahr 2000" mehrere Solidaritätsdemonstrationen mit dem Kärntner Landeshauptmann Haider organisiert.
Die vor 13 Jahren in die Politik eingestiegene Parlamentarierin will eine große Wahlkampagne ohne die Unterstützung ihrer Ex-Partei führen, aus der sie im November 2003 ausgetreten war. Mussolini hatte die Partei aus Protest gegen Außenminister Fini, Chef der AN, verlassen, der bei einem Israel-Besuch den Faschismus verurteilt hatte. Finis Schritt war auch von anderen Hardlinern der Partei und Nostalgikern der Mussolini-Ära scharf kritisiert worden.
Anfang April wird in 14 der 20 italienischen Regionen gewählt. Die Wahlen gelten ein Jahr vor Ablauf der Amtszeit von Ministerpräsident Berlusconi als wichtiger Test.
(apa)
