"Colonia Dignidad"-Gründer verurteilt: 20 Jahre für Schäfer wegen Kindesmissbrauchs
- Soll an Pinochet-Verbrechen beteiligt gewesen sein
- Auch eine Entschädigung in Millionenhöhe zu zahlen
Der Gründer der sektenähnlichen deutschen Siedlung "Colonia Dignidad" in Chile, Paul Schäfer, ist wegen sexuellen Missbrauchs von 25 Kindern zu 20 Jahren Haft verurteilt worden. Der 84-Jährige muss zudem eine Entschädigung in Höhe von umgerechnet rund 1,1 Millionen Euro an elf seiner Opfer zahlen. Schäfer war nach Bekanntwerden der Ermittlungen gegen ihn 1997 ins Nachbarland Argentinien geflohen, wo er sich bis zu seiner Verhaftung und Auslieferung im Vorjahr versteckt hielt.
Der Opferanwalt Hernan Fernandez zeigte sich nach dem Urteil des Gerichts in Parral, rund 340 Kilometer südlich von Santiago de Chile, zufrieden. "Es war ein langer und schwieriger Prozess, der das System zum Einsturz gebracht hat, wo die grausamsten Verbrechen in der Geschichte Chiles geschehen sind." Den Opfern, bei denen es sich fast ausschließlich um Chilenen handele, widerfahre nach 40 Jahren endlich Gerechtigkeit.
Der aus Deutschland geflohene ehemalige Wehrmachtsgefreite hatte Anfang der 60er Jahre die sektenartig organisierte "Colonia Dignidad" rund 350 Kilometer südlich von Santiago in der Nähe der Stadt Parral mit 300 Getreuen gegründet. Ihre Mitglieder lebten weitgehend abgeschottet ohne Fernseher und ohne Telefon. Sie praktizierten einen strengen Glauben, in dem Schäfer verehrt wurde.
Einige frühere Sektenmitglieder erstatteten Anzeige gegen Schäfer und kooperierten mit den Ermittlungsbehörden. Sie haben unter anderem ausgesagt, dass Schäfer über Jahre hinweg Kinder missbrauchte und sie von ihren Eltern trennte. Richter Hernan Gonzalez ermittelte in dem Fall zehn Jahre lang und befragte auch chilenische Mütter, deren Kinder von Schäfer in die kostenlose Schule und das Krankenhaus der Colonia Dignidad gelockt und dann missbraucht wurden.
Schäfer wird zudem vorgeworfen, mit dem Regime des früheren Diktators Augusto Pinochet zusammengearbeitet zu haben. Auf dem Anwesen der Colonia Dignidad sollen politische Gefangene gefoltert worden sein. Auch ein umfangreiches Waffenarsenal wurde dort entdeckt. In Deutschland liegt ebenfalls ein Haftbefehl gegen Schäfer vor. Die Colonia Dignidad, die später in Villa Baviera umbenannt wurde, begann erst im vergangenen Jahr damit, regelmäßige Kontakte zur Außenwelt aufzunehmen. Die Villa Baviera besteht bis heute.
(apa/red)
