Konvois mit Artillerie und Panzern: Armee aus Syrien setzt Abzug aus Libanon fort
- Fast Hälfte syrischer Soldaten bereits über der Grenze
·Rückkehr des Ex-Premiers im Libanon!
Pro-syrischer Karame bildet neue Regierung
·Libanon: 500.000 bei
prosyrischer Demo
Beirut: Proteste gegen Einmischung der USA
·Libanon: Syrien zieht Truppen ab!
1. Schritt: Bis Ende März Rückzug ins Bekaa-Tal
Die syrischen Truppen haben ihren schrittweisen Abzug aus dem Nachbarland Libanon beschleunigt. Wie libanesische Sicherheitskreise erklärten, seien im Norden des Landes alle syrischen Militärposten bis auf die Büros des syrischen Geheimdienstes in der Stadt Tripoli geräumt worden. "Der Abzug verläuft jetzt schneller. Soweit das Wetter dies erlaubt, sollte er (die erste Phase) bis zum Wochenende abgeschlossen sein", hieß es aus den Sicherheitskreisen weiter.
Die Soldaten hätten die letzten Positionen in der Region verlassen, verlautete aus syrischen Militärkreisen. Derzeit befänden sich im Nordlibanon lediglich noch syrische Geheimdienstmitarbeiter. Im Nordlibanon waren laut inoffiziellen Schätzungen libanesischer Sicherheitsdienste rund 3000 syrische Soldaten stationiert. Sie sind Teil von rund 6000 Soldaten, die seit Dienstag unter wachsendem internationalen Druck aus dem Nordlibanon und der Bergregion östlich von Beirut abrücken.
Insgesamt 6000 der 14.000 syrischen Soldaten im Libanon hätten bereits die Grenze nach Syrien überquert, sagte der syrische Botschafter in Deutschland, Hussein Omran,unterdessen der "Financial Times Deutschland". Der Rest solle in den nächsten Wochen folgen. Syrien hatte auf massiven internationalen Druck am vergangenen Dienstag mit dem schrittweisen Abzug seiner im Norden sowie im Zentrum Libanons um die Hauptstadt Beirut stationierten Soldaten in die näher an der syrischen Grenze gelegenen Bekaa-Ebene begonnen.
Über die Zahl der gefürchteten syrischen Geheimdienstmitarbeiter im Land gibt es keine genauen Angaben. Schätzungen gehen von 6000 aus. Die syrischen Truppen waren 1976 zur Beendigung des damaligen Bürgerkrieges in das Nachbarland verlegt worden. Die USA pochen darauf, dass die Besatzungstruppen bis Ende Mai abgezogen sind - dann soll in Libanon gewählt werden.
Pro-syrische Organisationen im Libanon sagten unterdessen eine geplante Demonstration in Tripoli im Norden des Landes kurzfristig ab. Als Grund wurde das schlechte Wetter genannt. Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah hatte am Dienstag zu Protesten gegen die ausländische Einmischung im Libanon aufgerufen. Am selben Tag hatten mehrere hunderttausend Libanesen und Syrer in Beirut gegen die US-Politik demonstriert.
Die Vereinten Nationen verstärken unterdessen den Druck auf Syrien und verlangen jetzt einen detaillierten Zeitplan für den Abzug seiner Militärs und Geheimdienstler aus dem Libanon. Von der Androhung eines Ultimatums für Damaskus könne aber keine Rede sein, erklärte der UN-Sonderbeauftragte für die Region, Terje Roed-Larsen, am Freitag unter Bezug auf einen Bericht der "Washington Post". Demnach wollen die Vereinten Nationen Syrien jetzt mit politischer und wirtschaftlicher Isolation drohen, falls Damaskus seine Truppen nicht schnell und vollständig aus Libanon abziehe.
"Die UN streben konstruktive Gespräche mit Syrien an", entgegnete Roed-Larsen nach Angaben eines UN-Sprechers in New York. "Drohungen gehören nicht zu unserem (diplomatischen) Instrumentarium." Roed- Larsen will bereits an diesem Samstag mit dem syrischen Präsidenten Bashir el Assad in Damaskus zusammen kommen. Dabei werde er auf Erfüllung der UN-Resolution 1559 vom September 2004 dringen, hieß es in New York. Die völkerrechtlich bindende Resolution fordert den Abzug aller fremden Truppen aus dem Libanon und die Auflösung der Milizen, allerdings ohne zeitliche Vorgabe. UN-Generalsekretär Kofi Annan äußerte in Madrid die Hoffnung, dass Roed-Larsen ihm nach dem Treffen mit Assad "einen detaillierten Zeitplan" für Syriens Abzug aus dem Libanon vorlegen könne. (apa/red)
