Viele Rückschlage fordern ihren Tribut: Verwaltungschef von Hongkong tritt zurück
- Unpopulärer Tung Chee-hwa gibt nach acht Jahren auf
- Gesundheitliche Probleme: Donald Tsang Nacholger
Nach fast acht Jahren im Amt ist der unpopuläre Hongkonger Regierungschef Tung Chee-hwa zurücktreten. Der 67-Jährige gab gesundheitliche Gründe an. Mit seiner Erklärung bestätigte der Regierungschef seit zehn Tagen kursierende Berichte Hongkonger Medien, die von Pekinger Quellen informiert worden waren. Der von der Führung in Peking kritisierte Tung Chee-hwa bestritt, dass er zum Rücktritt gezwungen worden sei. "Das stimmt überhaupt nicht." Seine Amtsgeschäfte übernimmt vorerst sein Verwaltungschef Donald Tsang. Der 60-Jährige gilt als sein möglicher Nachfolger.
Der von Peking ausgesuchte Tung Chee-hwa hatte die frühere britische Kronkolonie seit ihrer Rückgabe 1997 an China geführt. In der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres habe er durch die hohe Arbeitsbelastung eine "ständige Verschlechterung" seiner Gesundheit festgestellt. "Ich fühlte mich erschöpft und mein Immunsystem war nicht mehr so gut, wie es einmal war." Er habe deswegen am Donnerstag bei der Zentralregierung in Peking seinen Rücktritt eingereicht. Nach Presseberichten hat das Politbüro der Kommunistischen Partei seinen Rücktritt aber schon auf einer Krisensitzung im Februar angenommen. "Wenn Peking gewollt hätte, dass er bleibt, dann wäre er geblieben", sagte der Hongkonger Politikwissenschaftler Joseph Cheng.
Um ihm einen ehrenhaften Abgang zu ermöglichen, wird Tung Chee-hwa in Peking zum Vizevorsitzenden der Politischen Konsultativkonferenz Chinas gewählt, einem Beratergremium verdienter Persönlichkeiten. Rückblickend sagte Tung Chee-hwa, in den vergangenen acht Jahren habe Hongkong mit der Finanzkrise in Asien, der wirtschaftlichen Umstrukturierung sowie der Lungenseuche Sars große Herausforderungen überwunden. Er sehe die chinesische Sonderverwaltungsregion, die nach dem Grundsatz "ein Land, zwei Systeme" autonom verwaltet wird, heute besser gerüstet als je zuvor.
Tung Chee-hwa war für seinen Umgang mit diesen Krisen sowie die gescheiterte Einführung von umstrittenen Sicherheitsgesetzen scharf kritisiert worden. Massenproteste untergruben seine Position weiter. Wegen seiner Loyalität zu Peking fehlte ihm auch das Vertrauen vieler Hongkonger. Die kommunistische Führung wiederum ärgerte sich über die zunehmende Rufe nach freien Wahlen. Der neue Staats- und Parteichef Hu Jintao kritisierte Tung Chee-hwa, den noch sein Vorgänger Jiang Zemin ausgesucht hatte, im Dezember überraschend öffentlich.
Mit Donald Tsang übernimmt ein Verwaltungsmanager die Führung, der die Mechanismen in Hongkong bestens kennt. Der 60-Jährige hatte einst die chinesisch-britische Erklärung über die Rückgabe der Kronkolonie umgesetzt. Der letzte britische Gouverneur Chris Patten nannte Tsang in einem BBC-Interview einen "sehr, sehr guten Mann". Der frühere Schatzmeister, Finanzminister und Verwaltungschef genießt großen Respekt im öffentlichen Dienst. In Umfragen unter den sieben Millionen Hongkongern findet Tsang eine Unterstützung von 60 Prozent. (apa/red)
