Freitag, 11. März 2005

Ein Jahr nach dem Terror in Madrid: Ganz
Spanien gedenkt der 191 Anschlagsopfer

  • Opferorganisationen boykottieren die Trauerfeiern
  • 11. März 2004: Zehn Bomben töten fast 200 Menschen!

Mit Glockengeläut und Schweigeminuten hat Spanien an die Terroranschläge vom 11. März 2004 erinnert. Bei den blutigen Attentaten waren 191 Menschen getötet und rund 1.900 verletzt worden. Gleichzeitig legten zahlreiche ehemalige Staats- und Regierungschefs zum Abschluss ihrer Terrorismus-Konferenz in Madrid ein Programm zum Kampf gegen den Terrorismus vor.

Genau ab 07.37 Uhr, als vor einem Jahr die ersten Bomben in den vier Vorortezügen in der spanischen Hauptstadt explodiert waren, begannen die Glocken der 650 Kirchen in Madrid zu läuten. An den Bahnhöfen versammelten sich Trauernde mit Blumen und Kerzen.

Die Angehörigen der Opfer des 11. März hatten das Glockengeläut abgelehnt und ausschließlich stilles Gedenken gefordert. Dazu kam es zu Mittag, als Millionen Menschen fünf Minuten lang schwiegen. Spaniens König Juan Carlos eröffnete im Retiro-Park in Madrid den "Wald der Abwesenden" aus Zypressen und Olivenbäumen, der mit einem Baum für jedes Opfer an die Toten erinnern soll.

Die Teilnehmer der gleichzeitig abgehaltenen Terrorismus-Konferenz schlugen unter anderem vor, internationale Netzwerke aufzubauen, damit besser gewappnete Länder schwächere bei ihren Anti-Terror-Bemühungen unterstützen können. Das "Programm von Madrid" fordert außerdem, ständige informelle Foren zur Zusammenarbeit von Sicherheitskräften und Geheimdiensten.

Außerdem solle untersucht werden, ob auf nationaler und internationaler Ebene Hochkommissare für die Rechte von Terroropfern einsetzt werden könnten. Das Programm soll nun den nationalen Regierungen sowie der UNO und mehreren Regionalorganisationen, darunter der EU, vorgelegt werden.

UNO-Generalsekretär Annan hat sich gegen Abstriche an den Menschenrechten und der Rechtsstaatlichkeit im Kampf gegen den Terrorismus gewandt. "Diese zentralen Werte dürfen nicht geopfert werden. Wenn dies geschieht, verhelfen wir den Terroristen zum Sieg", erklärte er. Die USA und Spanien vereinbarten indes, bei der Terrorbekämpfung enger zusammenzuarbeiten. (apa)

11.3.2005 18:39