Donnerstag, 10. März 2005

Irakische Extremisten töten Journalisten und Polizeichef: Gezielte Anschläge verübt

  • Bürochef von Fernsehsender Kurdistan TV ermordet
  • Plus: Zivilistin bei Angriff auf US-Militärstützpunkt getötet

Als Polizisten verkleidete Rebellen haben am Donnerstag im Irak dem Chef einer Bagdader Polizeiwache aufgelauert und ihn erschossen. Zu dem Anschlag, bei dem zwei weitere Polizisten starben, bekannte sich die Al-Kaida-Gruppe im Irak. Die Rebellen filmten die Tat, mit der sich die Reihe beinahe täglicher Anschläge von Extremisten auf Sicherheitskräfte in dem Land fortsetzte.

Mit der Unterstützung der USA bemüht sich die Übergangsregierung um den Aufbau einer neuen Polizei und Armee in dem Land. Es gibt jedoch immer wieder Berichte, wonach es Aufständischen gelingt, die Sicherheitskräfte zu unterwandern.

Die Rebellen hätten Polizeichef Ahmed Obeis auf seinem Weg zur Arbeit in Bagdad aufgelauert, verlautete aus Polizeikreisen. Die als Polizisten verkleideten Extremisten hätten einen Kontrollpunkt errichtet und den Wagen des Mannes gestoppt. Die Bewaffneten hätten Obeis nach seinem Namen gefragt und und ihn und zwei weitere Polizisten getötet. "Als er seine Papiere rausholte, haben ihn Mudschahedin mit Kugeln durchsiebt", hieß es in einer von der Al-Kaida-Gruppe im Irak veröffentlichten Internetseite. "Mein Gott, was habt ihr getan?", schluchzte später Obeis Bruder, der zum Tatort geeilt war.

Im Südosten Bagdads wurde ein weiterer Polizist erschossen, während in der westirakischen Stadt Rutba die Leichen von vier Soldaten gefunden wurden. Aus Krankenhauskreisen verlautete, die Männer seien vor etwa fünf Tagen erschossen worden. In dem überwiegend von Sunniten bewohnten Gebiet im Zentralirak waren in dieser Woche mehr als 40 Leichen aufgefunden worden, darunter Frauen und Kinder. Einige der Opfer waren enthauptet worden.

Rebellen im Irak drohen jeden mit dem Tod, der mit der Übergangsregierung, US-Truppen oder am Aufbau des Landes beteiligten Firmen zusammenarbeitet. Oftmals verkleiden sie sich bei ihren Anschlägen als Polizisten. "Es ist nur eine Frage des Geldes und dann kann jeder die Polizei unterwandern", verlautete aus Kreisen der Polizei.

Derweil stellten sich die am Mittwoch gemeldeten Schüsse auf den irakischen Planungsminister Mahdi al-Hafidh als Werk ausländischer Sicherheitskräfte heraus. Zunächst war von einem Attentat von Aufständischen die Rede gewesen. Ein Berater Hafidhs sagte jedoch, ausländische Sicherheitskräfte hätten das Feuer eröffnet. Der Vorfall werde untersucht. Hafidh hatte die Schüsse unverletzt überlebt, zwei seiner Leibwächter wurden getötet.

Im Irak sind derzeit rund 20.000 ausländische Sicherheitskräfte im Einsatz. Sie werden etwa zum Schutz ausländischer Firmen eingesetzt und dafür hoch bezahlt. In jüngster Zeit sind Rufe lauter geworden, den Einsatz der Kräfte stärker zu reglementieren, nachdem diese immer häufiger versehentlich Zivilisten getötet haben sollen.

Extremisten erschossen am Donnerstag in der nordirakischen Stadt Kirkuk den Bürochef des Fernsehsenders Kurdistan TV, Laik Ibrahim, auf dem Weg zur Arbeit. Der Sender gehört der Kurdischen Demokratischen Partei (KDP) von Massud Barzani.

Bei einem Mörserangriff auf einen US-Militärstützpunkt bei Hilla starb eine irakische Zivilistin, als eine Mörsergranate ihr Haus in einem nahe gelegenen Wohnviertel traf. In der Nähe von Tikrit töteten Aufständische einen Iraker, der mit seinem Lastwagen Baumaterial zu einem US-Militärstützpunkt bringen wollte. In der südlich von Kirkuk gelegenen Ortschaft Riad nahmen die Amerikaner nach Polizeiangaben einen Polizeioffizier unter dem Verdacht fest, er habe Rebellen geholfen.

(apa/red)

10.3.2005 15:34