Donnerstag, 10. März 2005

Anti-Terror-Konferenz in Madrid: EU ruft zu entschlossenem Kampf gegen Terror auf

  • Gedenken an Opfer des Madrid-Attentats vor einem Jahr
  • Experte: Vermutliche hunderte "Schläfer" in Spanien

Zum Jahrestag der Terroranschläge von Madrid hat die luxemburgische EU-Ratspräsidentschaft die 25 Mitgliedstaaten der Gemeinschaft zu einem entschlossenen Kampf gegen den Terrorismus aufgerufen. Angriffe auf die Demokratie, die westliche Gesellschaft und ihre wirtschaftlichen Einrichtungen müssten mit Entschlossenheit bekämpft werden, erklärte Luxemburgs luxemburgische Innenminister Luc Frieden am Donnerstag. Sowohl das spanische als auch das EU-Parlament gedachten den Opfern der Attentate auf vier Pendlerzüge am 11. März 2004 mit Schweigeminuten.

Bei den Anschlägen waren 191 Menschen getötet und mehr als 1.500 verletzt worden. Die islamistischen Attentäter hatten noch weitere Terroranschläge geplant. Wie die Madrider Staatsanwältin Olga Sanchez mitteilte, wollten die Terroristen Bomben unter anderem in Schulen und in einem jüdischen Zentrum in der zentralspanischen Stadt Avila zur Explosion bringen. Dies gehe aus einem Videofilm hervor, der bei den Bombenlegern sichergestellt worden sei.

Die sieben Terroristen hatten sich gut drei Wochen nach den Anschlägen in einer Wohnung in die Luft gesprengt, als sie in der Madrider Vorstadt Leganes von Polizeikräften umstellt waren. Mit dem kollektiven Selbstmord seien damals möglicherweise nicht alle Terroristen einverstanden gewesen, sagte die Staatsanwältin nach Angaben der Zeitung "El Pais" (Donnerstag-Ausgabe). Einer von ihnen habe unter einem Bett Deckung gesucht, als seine Komplizen eine Ladung von Dynamit zündeten.

Der Präsident des Europaparlamentes, Josep Borrell, rief nach der Schweigeminute in Straßburg, zu einer verstärkten Zusammenarbeit im Kampf gegen den internationalen Terrorismus auf. "Wir müssen den Terrorismus weltweit und umfassend bekämpfen, unter voller Achtung der Rechtsstaatlichkeit", sagte der Spanier. Dabei müsse auch der Dialog zwischen den Kulturen und Religionen intensiviert werden, um so die Ursachen des Terrorismus zu bekämpfen.

Mit fünf Minuten stiller Einkehr gedachte auch das spanische Parlament am Donnerstag der Opfer der Terroranschläge von Madrid vor einem Jahr. Alle Abgeordneten erhoben sich von ihren Sitzen und lauschten stumm einem schwarz gekleideten Geiger, der eine Sarabande von Johann Sebastian Bach spielte. In Madrid und Umgebung werden am Freitag um 07:37 fünf Minuten lang die Glocken aller 650 Kirchen zum Gedenken läuten.

Nach Ansicht des Terrorismus-Beraters des spanischen Innenministeriums, Fernando Reinares, leben heute vermutlich einige hundert islamistisch indoktrinierte Moslems in Spanien, die bereit wären, sich für den Terrorismus rekrutieren zu lassen. "Spanien ist jetzt sicherer, aber das Bedrohungsniveau für Spanien und die Europäische Union allgemein ist nicht niedriger geworden", meinte er.

Nach den Madrider Anschlägen wurden 131 mutmaßliche islamistische Extremisten festgenommen - teilweise wegen einer Verschwörung, den Staatsgerichtshof in die Luft zu sprengen und Richter zu ermorden. Gegenwärtig sitzen noch 22 Personen wegen der Bombenanschläge vom 11. März in Untersuchungshaft, 52 weitere wurden auf freien Fuß gesetzt, gelten aber weiter als verdächtig.

(apa/red)

10.3.2005 18:37