Dienstag, 8. März 2005

War Mord an Sgrena geplant? Entführer behaupten, USA hegten Attentatspläne!

  • USA sehen die Schuld an Sgrena-Unfall bei Italien
  • Für Italien ist bisherige Erklärung nicht zufriedenstellend

Die italienische Regierung teilt nicht die Erkenntnisse aus den Ermittlungen der USA zur Tötung des italienischen Geheimdienstmitarbeiters Nicola Calipari im Irak. "Die Regierung in Rom ist überzeugt, dass der Tod Caliparis kein Angriff, sondern ein Unfall war. Divergenzen mit den USA über den Hergang der Ereignisse in Bagdad bleiben aber bestehen", sagte der italienische Außenminister Gianfranco Fini in einer Ansprache vor der römischen Abgeordnetenkammer am Dienstag. Caliparis Tod sei ein tragischer Fehler der US-Truppen gewesen, Italien verlange jedoch "Wahrheit und Gerechtigkeit im Namen der Freundschaft mit den USA", meinte Fini. Jene Fundamemtalistengruppe, die sich zur Entführung bekennt behauptet unterdessen in einem Video, die USA haben Sgrena töten wollen.

Laut Pentagon hatten die italienischen Sicherheitskräfte keine Vereinbarung mit der US-Armee über eine sichere Durchfahrt des Wagens mit der italienischen Journalistin Giuliana Sgrena in Bagdad getroffen. Fini bestritt dies entschieden. Laut Außenminister hatten die italienischen Sicherheitskräfte sehr wohl Vereinbarungen mit den US-Truppen und dem Verteidigungsministerium getroffen, um die Fahrt von Caliparis Auto zum Flughafen zu erleichtern. "Caliparis Auto fuhr auf dem Weg zum Flughafen mit einer Geschwindigkeit von maximal 70 Stundenkilometern. Auf dem Weg waren keine Check Points zu sehen", meinte Fini. Er bestritt somit die US-Version, laut der Caliparis Auto mit hoher Geschwindigkeit bei einem Check Point nicht gehalten hatte.

Fini betonte, dass die US-Soldaten zirka 15 Sekunden lang auf das Auto geschossen hätten. Das von US-Soldaten beschossene Auto, mit dem Sgrena nach ihrer Freilassung aus der irakischen Geiselhaft zum Flughafen Bagdad gebracht werden sollte, habe auf der Strecke keinen einzigen US-Kontrollpunkt angetroffen.

Pentagon ssehen Schuld bei Italien
Das Pentagon sieht die Lage anders. Die US-Soldaten hätten mit Handzeichen, weißem Warnlicht und Warnschüssen vor das Fahrzeug den Fahrer zum Stoppen bringen wollen, berichtete die Tageszeitung "Washington Times" am Dienstag unter Berufung auf einen ersten Untersuchungsbericht des Verteidigungsministeriums. Die Soldaten an den Kontrollpunkten seien im Umgang mit Fahrern ausgebildet worden, die sich den Kontrollpunkten zu schnell näherten und Warnzeichen ignorierten.

Sgrenas Entführer: "Amerikaner wollten Journalistin ermorden"
Eine Fundamentalistengruppe, die sich zur Entführung Sgrenas bekennt, behauptete inzwischen in einem Video, dass die Amerikaner die am Freitag freigelassene Reporterin ermorden wollten. Im Video, das die amerikanische TV-Station APTN in Bagdad anonym erhalten hat, betonte die Gruppe, dass kein Lösegeld für die Freilassung Sgrenas gezahlt worden sei, obwohl es ihr angeboten worden sei. Im Video ist ein Mann zu sehen, der eine Presseaussendung verliest.

"Die USA haben ihren treuen Verbündeten Italien verraten und haben versucht, die Journalistin Giuliana Sgrena zu töten. Der Widerstand hat von seinen privaten Quellen im Herzen Amerikas erfahren, dass der Geheimdienst CIA die Journalistin ermorden wollte", hieß es. "Ich wusste, dass es sich um eine politische Gruppe handelte", kommentierte Sgrena die Videoaufnahme. Die Opposition in Italien drängt inzwischen auf einen sofortigen Abzug der italienischen Truppen aus dem Irak. Nach dem Tod Caliparis ist es unannehmbar, dass die italienischen Truppen im Irak bleiben", sagte etwa der Chef der altkommunistischen Rifondazione, Fausto Bertinotti.

Internationalen Presseinstituts kritisiert USA
Auch der Direktor des in Wien ansässigen Internationalen Presseinstituts (IPI), Johann Fritz, kritisierte die USA und forderte sie auf, in der Causa eine "unabhängige und transparente Untersuchung" durchzuführen, außerdem solle Washington die Kommunikationsarbeit mit den Medien überprüfen, damit solche Zwischenfälle nicht mehr geschehen können.
(apa)

8.3.2005 17:51