Dienstag, 8. März 2005

Nach Aufruf der Hisbollah: 500.000 prosyrische Demonstranten in Beirut

  • Proteste gegen die Einmischung von USA und UNO
  • Vollständiger Abzug? Syrien setzt Truppenverlegung fort

Das prosyrische Lager im Libanon hat sich am Dienstag nach wochenlangen Protesten der Opposition zurückgemeldet. Eine halbe Million Menschen folgte dem Aufruf der Hisbollah und protestierte in Beirut gegen die Einmischung der USA und der Vereinten Nationen, die den Abzug der syrischen Truppen sowie die Entwaffnung der Milizen fordern.

Hisbollah-Chef Scheich Hassan Nasrallah warnte Washington vor einem Militärschlag."Die Flotten sind schon ein Mal gekommen - und vernichtet worden", rief Nasrallah unter dem Jubel der Massen in der Innenstadt Beiruts. "Sie werden wieder vernichtet werden." Bei Damaskus entschuldigte sich der Hisbollah-Chef für die antisyrischen Demonstrationen der vergangenen Wochen. "Wir lehnen die Resolution 1559 ab", stellte er klar. Dabei handelt es sich um eine Entschließung des UN-Sicherheitsrates, in der der Abzug der 14.000 syrischen Soldaten aus dem Libanon sowie die Auflösung der Milizen gefordert wird.

Auch Regierungsmitglieder beteiligten sich an der Kundgebung, zu der am Nachmittag noch immer mehr Menschen strömten. "Wir sind gekommen, um dem syrischen Präsidenten Bashar Assad unsere Dankbarkeit zu bezeugen", sagte Kabinettsminister Erslan. Die Demonstranten, die zum Teil auch aus Syrien herangekarrt worden waren, schwenkten die rot-weiße Flagge mit der grünen Zeder. Über dem Platz hingen zwei riesige Fahnen mit den Aufschriften "Danke Syrien" und "Nein zu ausländischer Einmischung".

Wie bei den vorangegangenen Demonstrationen der Syrien-Gegner hielten die Menschen am Mittag eine Schweigeminute ein, um an die Ermordung von Ex-Ministerpräsident Rafik Hariri vor drei Wochen zu gedenken. Der Anschlag, für den Oppositionspolitiker Damaskus und die eigene Regierung mitverantwortlich machen, hatte den Ruf nach einem syrischen Truppenabzug anschwellen lassen.

Die syrische Armee hat am Dienstagabend nach Angaben libanesischer Sicherheitskreise mit dem vereinbarten Rückzug begonnen. Von der ersten Verlegung in die Bekaa-Hochebene an der Grenze zu Syrien seien etwa 6.000 Soldaten betroffen, hieß es. Bereits am Nachmittag hatten Soldaten oberhalb Beiruts Luftabwehrgeschütze demontiert.

Insgesamt sind im Libanon 14.000 syrischen Soldaten stationiert. Sie sollen in einer ersten Phase des Abzugs, die bis Ende März abgeschlossen sein soll, in die Bekaa-Ebene verlegt werden. Anschließend soll über einen endgültigen Rückzug entschieden werden. (apa/red)

8.3.2005 22:14