Montag, 14. März 2005

SPÖ im Freudentaumel, FPÖ im freien Fall:
Dramatik bei steirischer Gemeinderatswahl!

  • SPÖ (+4,5 %) nur 90 Stimmen hinter stagnierender ÖVP
  • FPÖ-Ergebnis auf 6 % halbiert! Leichtes Plus für Grüne

Unter dem Strich nur 90 Stimmen trennten ÖVP und SPÖ nach den Gemeinderatswahlen in der Steiermark, denen auch Testcharakter für die Landtagswahl im Herbst zukommt: Die SPÖ ging mit einem Plus von 4,5 Prozentpunkten auf 43,33 Prozent (vorläufiges Endergebnis) als klarer Sieger hervor, die VP konnte zwar ebenfalls leicht zulegen (0,34 Prozentpunkte), konnte aber die Verluste der FPÖ - minus 5,28 Prozentpunkte auf 6,05 Prozent - offenbar kaum zum eigenen Vorteil nutzen. In Mandaten ist der Abstand 3.817 zu 2.940 deutlicher, wenngleich die ÖVP 62 verlor und die SPÖ 412 dazugewann.

Verglichen mit den niederösterreichischen Gemeinderatswahlen vor einer Woche konnten die steirischen Sozialdemokraten deutlicher zulegen, die ÖVP schnitt hingegen weniger erfolgreich ab, die FPÖ verlor stark, aber weniger dramatisch. Die Grünen konnten das beachtliche Plus nicht wiederholen und mussten sich - wie auch die Kommunisten in kleinerem Umfang - mit partiellen Erfolgen begnügen. Spannend wurde das Finale der Auszählung auch deshalb, weil just bei den letzten Ergebnissen der Server der Landeswahlbehörde wegen Überlastung streikte und die letzten Daten und das Endergebnis mit Schwierigkeiten - aber ohne große Verzögerung - herbeigeschafft werden konnten.

ÖVP relativiert: "Liste eins hat gewonnen"
Landeshauptfrau Waltraud Klasnic (V) wollte das Ergebnis keineswegs negativ kommentiert wissen: "Die Liste eins hat gewonnen", meinte sie und sah keine Auswirkungen der Bundes- oder Landespolitik: "Gemeinderatswahlen sind Gemeinderatswahlen." Die steirische VP-Chefin betonte vor allem den Erfolg in den Städten und meinte mit Blickrichtung auf die Landtagswahl im Herbst zuversichtlich: "Ich war nicht unruhig und werde nicht unruhig werden."

"Großer Sieg" für SPÖ
Von einem "großen Sieg" sprach der SPÖ-Landeschef Franz Voves. Im Ergebnis sah er sehr wohl überregionale Zusammenhänge: "Eine Quittung für die asoziale Bundespolitik und den Kahlschlag in den Regionen." Auch sei "der Schmäh mit der Obersteiermark-Konferenz und dem Semmeringbasistunnel nicht hineingegangen", so Voves. Er werte die Ergebnisse auch als Zeichen dafür, dass die Menschen Veränderung haben wollten. "Der heutige Tag" stimme ihn zuversichtlich für die Landtagswahl im Herbst.

"Totgesagte leben länger": FPÖ mit Galgenhumor
Als "relativ nicht so schlecht drauf" beschrieb der steirische FPÖ-Chef Leopold Schöggl seine Stimmung angesichts der doch deutlichen Verluste. Schöggl meinte, es sei eine "gewisse Genugtuung angesichts der Hundertschaften von Kommentatoren und Meinungsforschern, die uns in den letzten Wochen ins Nirvana geschickt haben, dass Totgesagte länger leben".

"Ordentliches" Abschneiden der Grünen
"Schon ordentlich" sieht die Landessprecherin der steirischen Grünen, Ingrid Lechner-Sonnek, das Abschneiden ihrer Partei. Das Ziel, 100 Mandate zu machen, habe man nur knapp verfehlt, es sei aber ein Zuwachs von 65 auf 94 Sitzen gelungen. Dass das Stimmenplus mit 0,24 Prozentpunkte auf 2,32 Prozent relativ mager ausgefallen ist, führte Lechner-Sonnek auf - im Vergleich zu NÖ - zu wenig Ortsgruppen zurück. "Hocherfreut" zeigte sich der KPÖ-Landesvorsitzende Franz Stephan Parteder über Mandatsgewinne den obersteirischen Städten. (apa/red)

14.3.2005 09:06