Absolut Almrausch: Alkoholkonsum in Österreichs Wintersportorten eskaliert!
- NEWS: Bier & Co. fließen beim "Aprés-Ski" in Strömen
- Die Folge sind zahlreiche Schlägereien und Unfälle
·Security im Einsatz: Angst im Skiparadies
Tirol: Westendorf setzt auf private Sicherheitsleute
Die Stimmung ist am Kochen. Partyhungrige haben kaum noch eine Chance, ins Lokal zu gelangen - denn es ist bereits zum Bersten voll. Alkohol wird im Minutentakt bestellt. Bei der vorherrschenden Hitze steigt er natürlich schnell zu Kopf ... "Ballermann auf Mallorca"? Mitnichten! Draußen herrschen Temperaturen um minus zehn Grad, das Motto lautet "Après-Ski". Die Location des rustikalen Almrausches: der "Salvenstadl" im Tiroler Wintersportort Söll.
"Ich will hier in einer Woche so viel Spaß wie möglich haben", erklärt Brian, 22, aus England und bestellt sogleich ein großes Bier, obwohl sein Glas noch halb voll ist. Auch Anke, 19, aus Holland ist in hochprozentiger Laune: "Wir sind eine Gruppe von zwölf Snowboardern. Und feiern hier jeden Tag bis in die frühen Morgenstunden." Das Lieblingsgetränk der Studentin: der "fliegende Hirsch", eine Mischung aus Red Bull und Jägermeister-Schnaps. Der erste Cocktail wird natürlich schon am Vormittag genommen, in irgendeiner Hütte auf der Piste. Und weitere "Einkehrschwünge" folgen ...
Die ausschweifenden Orgien in den Bergen haben jedoch nüchterne Folgen: Schlägereien unter betrunkenen Urlaubern stehen mittlerweile an der Tagesordnung. Ganze Gemeineden haben den "Sauf-Touristen" nun den Kampf angesagt. In der Tiroler Ortschaft Westendorf setzt Bürgermeister Anton Margreiter seit kurzem auf eine Zusatzbewachung durch einen privaten Sicherheitsdienst: "Denn den Einheimischen und jenen Menschen, die zu uns gekommen sind, um hier ein paar erholsame Tage zu verbringen, muss endlich wieder ein ausreichender Schutz vor den vielen Radaumachern gewährt sein".
Zahlreiche Vorfälle mit betrunkenen Touristen
Doch Fakt bleibt: In beinahe allen österreichischen Skiorten steigt der Promillepegel und damit auch das Aggressionspotenzial stetig an - wie mehrere Vorfälle aus den vergangenen Wochen belegen.
Auch zahlreiche Pistenunfälle wegen Betrunkener
Statistiken der Rettungsorganisationen bezeugen, dass für viele Skifahrer nicht nur die weiße Pracht zählt, sondern vor allem Bier, Glühwein & Co. Die 22 Flugrettungs-Hubschrauber des ÖAMTC mussten letztes Jahr 1.700-mal ausrücken - häufig waren in Pisten-Crashes Alkoholisierte involviert.
Wie viele Unfälle jedoch jährlich tatsächlich aufgrund von Alkoholkonsum verursacht werden, lässt sich nicht genau belegen. "Bei geborgenen Skifahrern werden nämlich keine Alko-Bluttests durchgeführt", erklärt Rupert Kisser vom Institut Sicher Leben. Aber "auffällig" sei: "29 Prozent aller Rodelunfälle geschehen nach 19 Uhr. Und nachgewiesenermaßen ist hiebei sehr oft beträchtlicher Schnaps-konsum im Spiel." Daher patrouilliert nun auf den Hängen verstärkt die Pistenpolizei. Offensichtlich betrunkene Skifahrer werden von den Beamten - im wahrsten Sinne des Wortes - aus dem Verkehr gezogen und per Schnee-Jet ins Tal gebracht.
Aber auch in den Ortschaften werden zunehmend die Sicherheitsvorkehrungen erhöht: In Ischgl und Sölden etwa streifen quasi rund um die Uhr Securitykräfte vor Lokalen, und in Zell am See wird die Fußgeherzone bereits seit drei Jahren mittels Video überwacht. (NEWS, Nr. 10/2005)
