Donnerstag, 10. März 2005

Neues Semmering-Projekt: Gorbach hält neuen Tunnel bereits ab 2016 für möglich

  • Vizekanzler: Finanzierung "grundsätzlich sichergestellt"
  • Anbindung von Mürzzuschlag in Steiermark noch offen

Infrastrukturminister und Vizekanzler Hubert Gorbach (F) glaubt nach der Einigung über die Neuplanung des Semmering-Bahntunnels (SBT) an eine rasche Umsetzung des Milliardenprojekts. "Auf Grund der Vorgespräche auf allen Ebenen bin ich sehr zuversichtlich und habe gute, ja mehr als Hoffnungen, dass dieses Vorhaben verwirklicht werden kann", betonte Gorbach vor Medienvertretern in Graz. Seiner Ansicht nach könnte der Tunnel sogar schon bis 2016 fertig werden. ÖBB-Chef Martin Huber hatte am Vortag die Inbetriebnahme 2018 in Aussicht gestellt.

Eigentlich sollte das Land für seine Verkehrssicherheitsaktivitäten ausgezeichnet werden - Gorbach nutzte aber die Gelegenheit, nochmals den Neustart des Tunnelprojekts zu begründen und versuchte, Bedenken zu zerstreuen. Der Verkehrsminister erklärte, dass es nicht nur die Blockade des Landes Niederösterreich, sondern auch sicherheitstechnische und betriebswirtschaftliche Überlegungen gewesen seien, einen neuen Anlauf für den SBT zu unternehmen.

"Das Bessere ist der Feind des Guten", so der Infrastrukturminister, der erneut die Kompatibilität mit dem Koralmtunnel (gleiche Steigung, gleiche Tonnagen) hervorkehrte und nunmehr auch die Finanzierung als durchaus machbar ansieht: Sie sei "grundsätzlich sichergestellt", 100 Mio. Euro seien 2008 bis 2010 mit dem Finanzminister paktiert, im Rahmenplan 2011 bis 2016 würden dann 635 Mio. Euro stehen. Die Fertigstellung ist ja bis 2018 geplant, im "best case" schon 2016, also parallel zum Koralmtunnel, so Gorbach.

Zugeknöpft gab sich der bei der Pressekonferenz ebenfalls anwesende ÖBB Bau AG-Vorstand Georg-Michael Vavrovsky: Die bisherigen Überlegungen setzten bei den Plänen von 1984 an, es gebe bezüglich der Trassenführung aber noch keinerlei Planungen und offen sei auch, ob Mürzzuschlag mit einer unterirdischen Haltestelle angebunden oder unterfahren wird. Auch der Vizekanzler wollte sich noch nicht festlegen: "Es wäre fahrlässig, schon jetzt eine Aussage zu machen."

Während Gorbach mehrmals die "berechtigte Hoffnung" betonte, dass nunmehr der gordische Knoten durchschlagen sei, hatte der steirische Infrastrukturreferent LHStv. Leopold Schöggl (F) auch eine Mahnung in Reaktion auf Äußerungen aus Niederösterreich parat: "Wir erwarten von Niederösterreich schon, dass es sich positiv einbringt und nicht die Haltung vertritt: Plant's einmal schön, und dann werden wir es beurteilen". Im Übrigen vertritt Schöggl die Ansicht, dass das Projekt SBT alt, wenn man es mit "Gewalt" hätte durchbringen wollen, ebenso viel gekostet und ebenso lange gedauert hätte wie die "moderne Version". (apa/red)

10.3.2005 12:30