Wieder Krach wegen Wörtherseebühne: SPÖ erneut verärgert über FPÖ-Aktionen
- SP-Ambrozy: "Lassen uns FP-Alleingänge nicht bieten"
- FP-Obmann Strutz reagiert mit Verwunderung
Die Wörtherseebühne in Klagenfurt sorgt neuerlich für Krach in der FPÖ-SPÖ-Koalition in Kärnten. Die SPÖ hat am Montag die Aufsichtsratssitzung der Betreibergesellschaft verlassen. Grund für die Aufregung: Nach dem Rücktritt des von der ÖVP nominierten Aufsichtsratsmitglieds hatte die FPÖ einen Ersatz nominiert, ohne den Koalitionspartner zu informieren.
Claudia Fräß-Ehrfeld hatte Mitte Februar ihr Mandat mit der Begründung zurückgelegt, es gebe ihr "zu viel Politik und zu wenig Kultur". Nur wenige Tage später nominierte der inzwischen zurückgetretene FPÖ-LHStv. Pfeifenberger als Eigentümervertreter den Klagenfurter Anwalt Gert Seeber als Nachfolger.
Parteichef LHStv. Ambrozy sagte, man könne sich die "Alleingänge der FPÖ" nicht bieten lassen, jetzt sei "Feuer am Dach". Er sprach von einer Brüskierung: "Wir haben erst heute davon erfahren, obwohl Seeber hinter unserem Rücken längst ins Firmenbuch eingetragen wurde." Er fordere daher die Einberufung des Koalitionsausschusses.
Ambrozy wies auf eine Vereinbarung hin, die mit der FPÖ im Juni 2004 geschlossen worden war. Demnach müsse jede Personalentscheidung mit der SPÖ-Fraktion abgesprochen werden. Der SPÖ-Vorsitzende verlangt vom Koalitionspartner nun kategorisch die Rücknahme dieser Bestellung.
SP-LAbg. Peter Kaiser, ebenfalls Aufsichtsrat der Wörtherseefestspiele GmbH, wies zudem darauf hin, dass das Aufsichtsgremium bewusst nach der Sitzverteilung in der Regierung besetzt worden sei. "Diese Vereinbarung ist mit Bestellung des FPÖ- nahen Seeber jetzt gebrochen worden." Landeshauptmann Haider will indes am Dienstag das Programm 2005 der Wörtherseebühne der Öffentlichkeit präsentieren.
FP-Strutz reagiert verwundert
Mit Verwunderung reagierte der Kärntner FPÖ-Obmann LHStv. Martin Strutz auf die Vorwürfe des Koalitionspartners SPÖ. Er hätte SPÖ-Vorsitzenden LHStv. Peter Ambrozy vor Beginn der Sitzung "persönlich" darüber informiert, dass Werner Bilgram zum neuen Geschäftsführer der Wörtherseebühne bestellt worden sei.
"Es gibt keine Krise in der Koalition", sagte Strutz in einer Aussendung und kündigte eine Aussprache mit Ambrozy für Dienstag an. Bei dieser sollten Unklarheiten beseitigt werden. Auf die Kritik an der Berufung des als FPÖ-nahe geltenden Klagenfurter Rechtsanwalts Gert Seebers in den Aufsichtsrat, die Ambrozy ebenfalls heftig kritisiert hatte, ging Strutz nicht ein.
ÖVP-Kultursprecher LAbg. Stephan Tauschitz bezeichnete die Bestellung Seebers als "skandalös". Seine Partei werde ausgegrenzt, mit der Berufung einer "FPÖ-nahen Person" in den Aufsichtsrat hätte die FPÖ "die letzte Kontrollinstanz ausgeschaltet, um ungestört hinter verschlossenen Türen mauscheln zu können", sagte Tauschitz in einer Aussendung.
(apa/red)
