Oliver Porsche: FORMAT trifft die neue Nummer eins im milliardenschweren Clan
- Er ist der Eigner des profitabelsten Autobauers der Welt
- Ziel des Herstellers: 100.000 verkaufte Autos pro Jahr

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Oliver Porsche, 43, avanciert im milliardenschweren Familienclan, Eigner des profitabelsten Autobauers der Welt sowie Europas größtem Autohändler, nun zur Führungsfigur. Bei den Sitzungen des Aufsichtsrats der Dr. Ing. h. c. F. Porsche AG am Porscheplatz 1 in Stuttgart gewährt die Regie kaum Platz für Überraschungen. Die Stimmrechte der Aktien des boomenden Herstellers edler Sportwagen befinden sich seit Jahrzehnten zu hundert Prozent in Familienbesitz - daher ähnelt die Zusammenkunft der Porsche-Aufseher normalerweise einem Kaffeeplausch unter lauter lieben Verwandten.
In dritter Generation als Verwalter des Erbes des legendären Konstrukteurs Ferdinand Porsche (1875-1951) sowie seiner Kinder Ferry Porsche und Louise Piëch vertreten Ferdinand Alexander Porsche, 69, und sein Bruder Wolfgang Porsche, 61, die Interessen des Porsche-Clans. Die Cousins Ferdinand Piëch, 67, und Hans Michael Piëch, 63, repräsentieren die zweite Linie der Milliardärssippe.
Bei der letzten Sitzung am 28. Jänner kam es im Porsche-Aufsichtsrat allerdings zu einer überraschenden Aktion: Ferdinand Alexander Porsche, als genialer Designer auch Erfinder des Sportwagenklassikers Porsche 911 und im Clan ebenso respektvoll wie zärtlich "Butzi" gerufen, erklärte seinen Rücktritt - die Familie bestellte den bisher dominierenden Mann im Clan daraufhin umgehend zum Ehrenvorsitzenden auf Lebenszeit.
Als Nachfolger wurde Ferdinand Alexander Porsches ältester Sohn Oliver nominiert. Damit wurde der 43-Jährige über Nacht als erster Spross aus der vierten Generation zum neuen starken Mann im Clan designiert, der mittlerweile auf fast 40 Mitglieder angewachsen ist.
Oliver Porsche: "In eine solche Rolle wächst man langsam hinein. Es ist zwar nicht so, dass bei uns schon alle Kleinkinder mit Porsche-Tretrollern fahren. Unser Erfolgsrezept ist aber ein gutes Verhältnis innerhalb der Familie." Onkel Wolfgang Porsche: "Der Sprecher der Familie bin ich. Oliver ist aber ein sehr guter Nachfolger für seinen Vater." Mit seiner Bestellung zur künftigen Nummer eins fällt Oliver Porsche die diffizile Aufgabe zu, das historisch gewachsene, fragile familiäre Gefüge abzusichern. Cousin Peter Daniell Porsche, 31, der als gelernter Pädagoge in Salzburg gerade eine Schule für verhaltensauffällige Kinder finanziert (siehe Kasten auf Seite 46): "Oliver ist ein idealer neuer Sprecher des Clans. Er bringt gegenüber den anderen Mitgliedern der Familie unermüdlichen Einsatz, Loyalität, Kompetenz und Beliebtheit ein."
Der künftige Lenker der Geschicke des steinreichen Clans hat die fabelhafte Porsche-Story jedenfalls von Kindesbeinen an hautnah miterlebt. Als sein Vater Ferdinand Alexander 1963 in Stuttgart den Porsche 911 - heute Inbegriff des Sportwagens schlechthin - konstruierte, formte der kleine Oliver Figuren aus Plastilin.
Sein ursprünglicher Wunsch, eine Karriere als Wirtschaftstreuhänder und Unternehmensberater einzuschlagen, wurde nicht erfüllt, weil ihn der Vater vor zehn Jahren ins Management von Porsche Design berief. Ferdinand Alexander Porsche hatte sich früh vom Stammgeschäft emanzipiert, indem er vom Familiensitz im Salzburger Zell am See aus mit großem Erfolg alles entwarf, was eine Oberfläche hat: Brillen, Uhren und sogar Straßenbahnen, etwa die neue Niederflurgarnitur ULF für die Wiener Verkehrsbetriebe.
Seit 1972, als die Porsches und Piëchs per Familienbeschluss aus direkten Managementfunktionen ausgeschlossen wurden, konnte Oliver Porsche ("Mir fehlt das ausgeprägte technische Verständnis meines Vaters und Großvaters") alle Höhen und Tiefen des Clan-Gefüges hautnah miterleben.
Die Zeiten, als sich die Porsches und Piëchs wegen der schlechten Geschäftsentwicklung in hässlichen Fehden befetzten, sind längst Geschichte. Denn die Porsche AG hat sich von einem kränkelnden Kleinkonzern, der in den frühen 80er Jahren gerade einmal 20.000 Stück pro Jahr verkaufte, chronische Verluste schrieb und von einem Branchenriesen geschluckt zu werden drohte, zum profitabelsten Autobauer der Welt gemausert.
Vom amerikanischen Wirtschaftsmagazin "Business Week" schlicht und einfach zum besten europäischen Unternehmen gewählt und von 2.500 deutschen Managern zum angesehensten Unternehmen Deutschlandes gekürt, ist der atemberaubende Erfolgskurs von Porsche untrennbar mit Wendelin Wiedeking verbunden: Der Topmanager wurde 1992 nach wüsten Auseinandersetzungen der beiden Familienzweige zum Vorstandsvorsitzenden von Porsche gekürt und hat den Börsenwert des kleinsten deutschen Autobauers seither verzwanzigfacht (siehe Kasten links).
Ein Beispiel: Im Jänner 1991 verkaufte Porsche auf dem wichtigen US-Markt gerade noch drei Autos - in den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres waren es 14.618 Stück.
Zum durchschlagenden Erfolg beigetragen hat nicht zuletzt die Entwicklung des allradgetriebenen Cayenne, an der auch Designer Ferdinand Alexander Porsche mitgearbeitet hat: Der Cayenne steuerte zuletzt 51,1 Prozent des Absatzes bei. Weil sich die Porsches und Piëchs bei der Ausschüttung von Dividenden traditionell knausrig geben, verfügt Porsche heute über eine prall gefüllte Kriegskasse von gut 2,5 Milliarden Euro. Im Sommer soll eine Entscheidung darüber fallen, ob der Startschuss zum Bau einer Sportlimousine gegeben wird, mit der Porsche die mächtige Konkurrenz von Mercedes und BMW zu attackieren gedenkt.
Ähnlich atemberaubend und seit je von jeder Krise verschont, hat sich die Porsche Holding in Salzburg entwickelt. Wie die Stammaktien bei Porsche in Stuttgart zu je 50 Prozent im Besitz der Familien Porsche und Piëch, liefert das 1948 von Ferry Porsche und seiner Schwester Louise Piëch gegründete Autohandelshaus jedes Jahr neue Rekorde.
Die imposante Zwischenbilanz: Die Porsche Holding war im Vorjahr mit einem Umsatz von 7,9 Milliarden Euro nicht nur das größte Privatunternehmen der Republik, sondern auch Europas größter Autohändler (siehe Kasten auf Seite 45).
Gelenkt werden die Geschicke des Importeurs von Automarken wie VW, Audi, Seat und Skoda von clanfremden Managern, die ein penibel paritätisch mit Porsches und Piëchs besetzter Aufsichtsrat kontrolliert. Den Vorsitz führt Porsche-Clansprecher Wolfgang Porsche, den Bundeskanzler Wolfgang Schüssel erst Anfang Februar bei der Verleihung des Großen Goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik als "herausragende Unternehmerpersönlichkeit" gewürdigt hat. Sein Stellvertreter ist der Piëch-Clansprecher Michael Piëch ("Unser Pech in dieser medialen Zeit ist, dass wir als Familie der personifizierte Konzern sind"), im Brotberuf Rechtsanwalt in Wien.
Als einfacher Aufseher fungiert niemand Geringerer als der ebenso exaltierte wie respektierte Ex-VW-Generaldirektor Ferdinand Piëch: Die Tatsache, dass der VW-General in seiner aktiven Zeit gleichzeitig Miteigentümer des größten VW-Importeurs im Lande war, sorgte regelmäßig für reichlich böses Blut.
Neben dem Aufsichtsrat kümmert sich ein zweites, informelles Gremium um die nötige Feinabstimmung eines Imperiums, in das die beiden Sippen in den vergangenen Jahren satte zwei Milliarden Euro investiert haben: der Familienausschuss, in dem neben den beiden Clansprechern auch drei Vertreter der vierten Generation mitreden dürfen - neben Oliver Piëch sind dies die Unternehmensberater Florian Piëch, 42, und Josef Ahorner, 44, Enkel der Unternehmensgründerin Louise Piëch. Porsche-Holding-Generaldirektor Wolf-Dieter Hellmaier zum Erfolgsrezept der Familie: "Es steht mir als Mitglied des Managements nicht zu, Aufsichtsräte oder Eigentümer zu kommentieren."
Außenstehenden gibt die Frage Rätsel auf, warum die beiden jeweils mehrere Milliarden Euro schweren Familienzweige über so lange Zeit insgesamt so harmonisch miteinander auskommen. Eskapaden oder gar Society-Skandale von Söhnen und Töchtern der zu den reichsten Familien im Lande zählenden Clans sucht man vergeblich: Während Oliver Porsche nun ins Rampenlicht rückt, ist über seine Brüder Kai Alexander, 40, und Mark Phillipp, 27, so gut wie nichts bekannt. Oliver Porsche: "In der Familie geht es demokratisch und mit großem inhaltlichem Verständnis für die Geschäfte zu, wo keiner drängelt. Ein wesentlicher Baustein dabei ist Vertrauen."
Cousin Peter Daniell Porsche ergänzt: "Jeder von uns hat gelernt, wirtschaftlich und logisch zu denken. Wir wissen, wir müssen zusammenhalten, nur dann haben wir eine Chance. Jeder gibt ein Stück nach, um das große Ganze zu bewahren. Die Piëchs haben es manchmal schwerer als wir."
Tatsächlich war es ein Piëch, der sich bisher als Einziger freiwillig aus dem Clan verabschiedet hat: Ernst Piëch, 75, ältester Sohn von Louise Piëch, verkaufte 1984 seine Porsche-Aktien und gilt seither als schwarzes Schaf der Familie.
Zell am See im Pinzgau, wo die Porsches und Piëchs nach dem Krieg auf dem Anwesen Schüttgut aufwuchsen, ist bis heute Porsche- und Piëch-Land geblieben. Das Hotel Erlhof etwa besitzt Clansprecher Hans Michael Piëch, als Geschäftsführerin fungiert Tochter Melanie, 37, die mit Stefan Wenckheim, dem Spross der Ottakringer-Bierbrauer, verheiratet ist. Sogar die Anteile am Flugplatz in Zell am See sind paritätisch besetzt - mit drei Porsches und drei Piëchs.
Die ganze Geschichte lesen Sie im neuen FORMAT.
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