Verunglückte Betriebsstrategie: JoWooD-Chef über Insolvenzgerüchte "verwundert"
- Verhandlungen mit mehreren Spiele-Verlegern laufen
- Gelingt jetzt kein Abschluss, kommt ein "Sparpaket"
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Steirisches Unternehmen gibt Umsatzwarnung aus
Der neue Chef des unter Druck geratenen börsenotierten steirischen Computerspiele-Herstellers JoWooD, Albert Seidl, zeigt sich "verwundert" über die jüngsten Insolvenzgerüchte um sein Unternehmen. Das Unternehmen habe im Vorjahr zwar Verluste geschrieben und schwimme daher nicht gerade in Geld. Über die Insolvenzgerüchte sei er aber "wahnsinnig verwundert" gewesen, sagte Seidl. Und weiter: "Ich glaube, dass wir die richtigen Maßnahmen umsetzen und dass das funktioniert."
Das Unternehmen hatte zuvor erklärt, dass das Management derzeit Gespräche mit potenziellen neuen Spiele-Verlegern in den USA führe. Dieser Verleger soll dann einen erheblichen Teil der Marketingkosten übernehmen und damit für eine Ausweitung des Absatzes in Übersee sicherstellen. Verhandelt wird laut Seidl mit mehreren möglichen Partnern. Wann abgeschlossen werde, sei noch offen. Es gehe darum den Bestbieter zu finden, so Seidl.
Eine vitale Frage sei der Abschluss einer neuen Vertriebspartnerschaft aber nicht. "Ich würde nicht sage, dass wir nicht überleben können, wenn wir keinen Verleger finden", betonte Seidl. Gelinge kein Abschluss, müsse das Unternehmen eben "ressourcenschonender" planen. "Das ist wie mit dem Bundeshaushalt: Die Frage ist, ob es ein Sparpaket geben muss oder nicht", so der JoWooD-Chef.
Details zur neuen Strategie will das Unternehmen kommenden Dienstag bekannt geben. Auf diesen Tag hatte das Management vergangene Woche überraschend die Bekanntgabe der Bilanz-Zahlen 2004 verschoben. Grund dafür sei gewesen, dass das Management die vergangenen beiden Wochen auf Grund der Verhandlungen in den USA verbracht habe. Unregelmäßigkeiten in den Bilanzen des früheren Managements habe es nicht gegeben, versicherte Seidl, der Ende Jänner von der Capital Bank zu JoWooD gewechselt war.
Dafür, dass die Analyseabteilung der RZB-Tochter Raiffeisen Centrobank (RCB) die "Coverage" der JoWooD-Aktie eingestellt hat, zeigt Seidl als ehemaliger Investmentbanker Verständnis: "Das halt ich für normal. Ich hätte im Moment auch Probleme bei der Wertfindung für JoWooD." Gleichzeitig hoffe er aber, dass die RCB, wenn sich die neue Strategie klarer abzeichne, die Analyse wieder aufnehmen werde.
Das Unternehmen werde sich jedenfalls nach der Umbauphase dem Kapitalmarkt sicher wieder stärker zuwenden. An eine Kapitalerhöhung denke das Management aber derzeit nicht, sagt Seidl.
Wegen einer verunglückten Vertriebsstrategie hatte der steirische Spielehersteller dem Vernehmen nach zuletzt "gewaltige Verluste" geschrieben. Im zweiten Halbjahr 2004 war aus den Vertriebsvereinbarungen praktisch keine Wertschöpfung zustande gekommen. Das Unternehmen hatte deshalb - nach einem Managementwechsel an der Unternehmensspitze - im Februar eine strategische Partnerschaft mit dem US-Spieleentwickler Fluent Entertainment, die erst vor sechs Monaten geschlossen worden war, wieder aufgekündigt.
Wegen anhaltender Insolvenzgerüchte hatte die JoWooD-Aktie in den vergangenen Tage an der Wiener Börse schwere Kursverluste hinnehmen müssen. Am Donnerstag war die Aktie nach einem Minus von 14 Prozent erstmals als "Pennystock" aus dem Handel gegangen. Am Freitag erholte sich das Papier leicht von 89 auf 95 Cent. (apa/red)
